geschieht, Ursache und... die bedingte (Ursache) heißt im engeren Ver-stände Naturursache.“ Wenn wir im Anschluß an diese Kantsche Defini-tion naturwissenschaftliches Denken alsdann dasjenige nennen wollen, das-für jedes Geschehen eine „Naturursache“ fordert, so werden wir, glaube ich,doch hinzufügen müssen: soweit uns eine solche im Umkreis des unsbekannten Naturgeschehens geläufig ist. Etwas „geht mit natürlichen.Dingen zu“ heißt immer: so wie wir es bisher gewohnt gewesen sind, undVoraussagen können. Und der Bereich der „natürlichen“ Erklärung hörtdort auf, wo etwas Neues, Unbekanntes auftritt. NaturwissenschaftlicheBetrachtungsweise besteht also darin, daß die heute wirkenden Stoffe undKräfte, die heute sich vollziehenden Veränderungen und Umbildungsvor-gänge, die wir empirisch feststellen können, als überall im Raum und immer-dar in der Zeit wirkende angenommen werden. Handelt es sich um Vor-gänge wie „die Entstehung der Arten“, auf die unser Alltagswissen vondem Walten der Naturkräfte anzuwenden, wir Bedenken tragen, weil uns.jede Möglichkeit einer experimentellen oder sonstigen empirischen Fest-stellung fehlt und sich Wandlungen vollzogen haben sollen, die sich heutenicht mehr vollziehen, so werden als Hilfskonstruktion unermeßlich langeZeiträume eingefügt, in denen das sich habe vollziehen können, was in denhistorisch überblickbaren Zeiträumen als unmöglich erkannt ist. Dabei istdie Voraussetzung immer die Annahme gleichgearteter Stoffe und gleich-wirkender Kräfte.
Das Gegenteil dieses naturwissenschaftlichen Denkens stellt das phan-tastische Denken dar. Dieses ist zwar auch ein rationales Denken^,insofern es gemäß den Kategorien des Verstandes, vor allem auch der Kau-salität ausgeübt wird, wodurch es sich von dem Denken des Geisteskranken:unterscheidet. Nur daß es die „Ursachen“ nicht auf die uns aus der All-tagserfahrung bekannten und geläufigen beschränkt, sondern sie nach sub-jektivem Ermessen so auswählt, wie es der phantasievollen Deutung des-Vorganges entspringt.
Das phantastische Denken hat verschiedene Bereiche, in denen es zurAnwendung kommt. Handelt es sich um Vorgänge des Alltagslebens, soführt es zum Märchen; bezieht es sich auf heroische Taten, so schafft es dieSage; erfaßt es Gott, Götter und Welt, so bildet es den Mythos; in ratio-nalisierendem Gewände erscheint es als Metaphysik.
Im Bereiche des phantastischen Denkens ist „das Wunder“ zu Hause,wenn wir dieses als ein Ereignis bestimmen, das der uns bekannten, aufAlltagserfahrung begründeten Naturordnung nicht entspricht.
Wir gebrauchen das Wort Wunder noch in einem anderen Sinne, indemwir damit gerade die „Naturordnung“ bezeichnen, in welchem Falle man.