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andern Vorbilder, hing mit dem so wesentlich anders gearteten Stoff ihrerUntersuchungen zusammen.
So glaubt P e 11 y berechnen zu können, wieviel Einwohner London im19. Jahrhundert haben würde. Aber es stimmt nicht. Auch seine Berechnungder Zahl der Menschen auf der Erde, die er mit 360 Millionen annahm, aufGrund einer regelmäßig wachsenden Abnahme der Fruchtbarkeit der Men-schen seit den Patriarchen, ging fehl.
Die naturwissenschaftlichen Methoden der Bevölkerungstheorien warenschon im 17. und 18. Jahrhundert ad absurdum geführt, als nun ihre eigent-liche Herrschaft erst begann. Wie das so in der Geistesgeschichte derMenschheit zu geschehen pflegt.
II
Kurz ehe das glorreiche 19. Jahrhundert anbrach — im Jahre 1798 —erschien ein Werk, in dem alle die im Vorstehenden verzeichneten falschenGedanken über die Bewegung der Bevölkerung zusammengefaßt und späterin drei Bänden zu einer breiten Bettelsuppe zusammengekocht wurden; einWerk, das bestimmt sein sollte, wie das von Darwin , ein Jahrhundertlang die Geister zu beherrschen, das heißt, die Köpfe zu verwirren: RobertM a 11 h u s, An Essay on the Principles of Population, as it affects theFuture Improvement of Society. Seine weltweite Wirkung steht im geradenVerhältnis zu seiner Leere und Seichtheit; denn es ist doch wohl dasdümmste Buch der Weltliteratur, zu dessen Rechtfertigung man allein dieTatsache anführen könnte, daß es keinen einzigen, neuen Gedanken enthält.Es ist erschütternd zu denken, daß dieses Buch, wie uns Darwin selbsterzählt, ihm die Anregung zu seinen eigenen Lehren gegeben hat.
Der Inhalt der Malthus ’sehen Lehren ist bekannt: er läßt sich infolgenden kurzen Sätzen zusammenfassen, wenn man sich die Mühe nichtverdrießen läßt, die abstrusen, unklaren und immer ungenau vorgetragenenGedanken des Malt h u s mit Hilfe von ein bißchen Logik und ein bißchengesunden Menschenverstand zurecht zu stutzen und zu ordnen (es sind die-selben, die wir oben schon kennenlernten):
1. Die Vermehrung der Bevölkerung erfolgt in geometrischer Pro-gression; oder: die Zeugungskraft und der Zeugungstrieb der Men-schen sind potentiell unbeschränkt;
2. Die Vermehrung der Unterhaltsmittel erfolgt langsamer;
3. folglich muß nach einer gewissen Zeit Übervölkerung eintreten— eine Anzahl von Menschen muß sterben —, bis das Gleichgewichtwieder hergestellt ist: um diese gewaltsame Insgleichgewicht-setzung durch physical cliecks zu vermeiden, müssen die Menschen