Eheschließungen und Geburten in den Schranken des Nahrungs-spielraums halten: moral checks.
Gegen diese Sätze sind folgende Einwände zu erheben:
1. grundsätzlich vom erkenntnistheoretischen Standpunkt aus ist die ^naturwissenschaftliche Einstellung zu tadeln: die Zeugung vonKindern ist kein Naturvorgang, sie untersteht deshalb auch keinerleiNaturgesetzen; folglich kann man über sie keine für alle Zeiten undOrte geltenden Aussagen machen;
2. wollte man die behaupteten Regelmäßigkeiten, was grundsätzlichallein zulässig ist, als Tendenzen betrachten, so ist vom em-pirischen Standpunkt aus einzuwenden:
a) es ist erfahrungsgemäß keine allgemeine Tendenz zu starkerProliferation nachzuweisen;
b) wo sie besteht, ist sie nicht oder nicht immer die Funktion ökono-mischer Erwägungen.
(Die „materialistische Geschichtsauffassung“, die M a 11 h u sals einer der ersten vertritt: siehe etwa die Stellen in Principles3 5 , 39, 44 f. und 69 ist falsch.)
c) ebensowenig wie die Bevölkerungsbewegung unterliegt die Ver-mehrung der Unterhaltsmittel irgend welchen Regeln.
Die Richtigkeit dieser empirischen Feststellungen zu erweisen,behalte ich mir für einen der folgenden Unterabschnitte nochvor.
Was bleibt also von den „Tendenzen“ im Malthus’ schenSysteme übrig, wenn wir an ihre Prüfung mit dem nötigenWissenherantreten? Will man ihnen die allgemeine Form geben, dieMalthus ihnen geben möchte, so müssen sie so ausgedrücktwerden:
aj Manchmal besteht die Tendenz der Bevölkerung zu wachsen,manchmal, stabil zu bleiben, manchmal, sich zu verringern.
b) Manchmal besteht die Tendenz, daß der Nahrungsspielraum ein-schrumpft, manchmal, daß er derselbe bleibt, manchmal, daß ersich ausweitet.
c) Manchmal also wird die Bevölkerung die Tendenz haben, denNahrungsspielraum zu überschreiten, manchmal, ihn auszufüllen,manchmal, hinter den Möglichkeiten, die ihr der Nahrungsspiel-raum gewährt, zurückzubleiben.
Man sieht: diese Feststellungen enthalten nicht allzuviel Er-kenntnis.