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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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tiger: was uns allein zu tun übrigbleibt, ist dieses: Ordnung zu schaffen,damit die letzten Endes uns allein interessierenden empirisch-geschichtlichenBevölkerungsvorgänge in ihrer Eigenart besser verstanden werden.

Die Aufgabe, Ordnung zu schaffen, erfüllen wir auf verschiedene Weise:.

1. durch Auffindung vonechten oder Sinngesetzen-,

2. durch Nachweisung von Tendenzen;

3. durch Aufstellung eines Schemas der Möglichkeiten, die für die Be-einflussung des Zeugungsvorganges durch menschliche Willensaktebestehen.

Das alles tun wir mit Hilfe geistwissenschaftlicher Methoden 143 ). Danebenmögen wir die Naturvorgänge, die, wie wir sahen, in allen Bevölkerungs-erscheinungen eingestreut sind, mit naturwissenschaftlichen Methoden ab-tasten, ob uns doch vielleicht diese oder jene Ahnung von den Gesetzendes Naturgeschehens vergönnt ist (Vererbungslehre!). Den Kern der Bevöl-kerungstheorie bilden diese naturwissenschaftlichen Untersuchungen gewißnicht. Dieser besteht in Betrachtungen ganz anderer Art, die ich eben schon,andeutete und die wir im folgenden noch etwas genauer kennenlernen wollen.Die Eigenart dieser Methoden läßt keinen Zweifel zu, daß die Bevölkerungs-wissenschaft eine Geist- oder Kultur- und keine Naturwissenschaft ist, wiedie Menschen jahrhundertelang irrtümlicherweise angenommen haben.

V

Der Gedanke einer geistwissenschaftlichen Bevölkerungstheorie liegt,sollte man meinen, wirklich nicht so fern, daß ihn die Menschen nicht schonlängst gefaßt haben sollten, nachdem sie einmal über die Bevölkerungsvor-gänge nachzudenken begonnen hatten. In der Tat finden wir zu einer Zeit,als der Naturalismus die Köpfe noch nicht völlig verdreht hatte, sehr be-achtenswerte Ansätze zu geistwissenschaftlichen Bevölkerungstheorien: das18. Jahrhundert ist voll von ihnen. Hier ein paar Proben!

An der Spitze steht Montesquieu , der seine Betrachtungen über dieBevölkerung mit dem sehr richtigen Satze beginnt 144 ):

Les femelies des animaux ont ä peu pres une fecondite constante. Maisdans lespece humaine la maniere de penser, le caractere, les passions, lesfantaisies, les caprices, lidöe de conserver sa beaute, lembarras de lagrossesse, celui dune famille trop nombreuse, troublent la propa-gation demille maniere s....

Ähnlich ist die Auffassung der Wallace-Joncourt (1754), die sichwie folgt äußern 145 ):. ..nous ne devons pas conclure... que... le genre