Nach einer von Preußen in den Jahren 1896 bis 1901 geführten Statistik ent-
fielen auf je eine Ehe Kinder:
Landwirtschaft 5,3
Verarbeitung von Steinen und Erde 4,5
Fabrikarbeiter 4,4
Textilarbeiter 4,3
Metallarbeiter 3,3
Angestellte im öffentlichen Dienst 3,2
Kunst und Literatur 2,5
Ärzte, Heilgehilfen usw. 2,2
Mitgeteilt in B. Letterhans und Franz Röhr , Größenordnungen in Volkund Wirtschaft (1928), 43.
Für die ältere Zeit enthält viel Material I. L. C a s p e r, Die wahrscheinlicheLebensdauer des Menschen in den verschiedenen bürgerlichen und geselligenVerhältnissen, nach ihren Bedingungen und Hemmnissen untersucht. 1835.
Daß schließlich auch die Wirtschaftsverfassung Einfluß auf die Willensaktedes Lebens und Sterbens ausüben kann, soll natürlich nicht geleugnetwerden. Ihre Wirkung ist häufig eine indirekte, sofern sie von Einfluß ist auf dieGesetzgebung des Staates, auf die Herausbildung bestimmter Berufs- und Wohl-habenheitsschichten u. dgl. Freilich: nach der langen Herrschaft der einseitigökonomistischen Betrachtungsweise der Malthusianer wird das Hauptaugenmerkdes gewissenhaften Bevölkerungstheoretikers in erster Linie immer darauf ge-richtet sein, nachzuweisen, daß Geburt und Tod nicht von den wirtschaftlichenUnterhaltsmöglichkeiten abhängen, wie eine oberflächliche Betrachtungsweise esanzunehmen nahe legt. Die Fälle, in denen jener Zusammenhang nicht besteht^sind viel häufiger als man denkt: wenn etwa ein Jägerstamm nicht zum Ackerbauübergeht, obwohl er es könnte, wenn Gegenden dünn besiedelt sind, trotzdemsie fruchtbar sind, wenn die Geburtenrate zurückgeht, obwohl der Reichtumwächst usw. Das alles wußten die klugen Männer im 18. Jahrhundert längst.So lesen wir z. B. bei unserm M o h e a u folgendes (a. a. 0. 2, 137): „quoiquel’abondance des alimens entraine la facilitö de s’en pourvoir et que cette facilitödonne aux hommes les moyens de multiplier, il est des ötats, des contröes, desparties du monde, oü les choses nöcessaires ä la vie sont en abondance etcependant oü les habitants ne sont pas nombreux.”
Neben der Beeinflussung des Zeugungswillens durch geistige Mächte spielt die-jenige durch Leib und Seele einerseits, durch Himmel und Erdeandererseits nur eine untergeordnete Rolle. Diese beiden Faktoren haben ihreBedeutung für den naturalen Teil der Fortpflanzung, den wir oben vom geistigenTeil unterschieden. Immerhin werden auch Leib und Seele und Himmel undErde nicht völlig ohne Einwirkung auf die geistige Zeugung bleiben.
Wenn es z. B. wahr ist, was behauptet wird, daß manche Volksstämme, wiedie Indianer, die Hottentotten u. a. frigide, sexual unempfindlich sind, so gewinntnatürlich das Geschlechtsleben, gewinnen die Normen, durch die es bestimmtwird, gewinnt der Wille zur Paarung eine ganz andere Färbung als in einemsinnlich veranlagten Volke wie den Negern.
Dasselbe gilt von den Einflüssen der natürlichen Umwelt auf das Geschlechts-leben der Menschen. Hier hat man sich besonders eingehend mit der Einwirkungdes Klimas auf die Gewilltheit zum geschlechtlichen Verkehr beschäftigt. Schon