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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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Erdteil

Fruchtland

Wald

Steppe

Ödland

Europa

44,0

30,0

6,0

20,0

Asien

20,4

29,4

20,8

29,4

Afrika

17,8

31,5

32,9

17,8

Australien , Ozeanien 11,1

14,4

37,8

36,7

Nordamerika

14,6

37,5

16,7

31,2

Südamerika

21,4

45,6

22,3

11,3

Antarktis

100

Wenn man als vom Menschen in Wirklichkeit genutztes, also eigentlichesWirtschaftsland 27 Millionen qkm Fruchtland, 13 Millionen qkm Nutzwaldund 10 Millionen qkm Steppenweide rechnet, so kommt man auf rund 50 Mil-lionen qkm, das sind etwa 37 vH. der Festlandfläche der Erde. Man hat auchBerechnungen angestellt, wieviel Land noch weiter in Kultur genommenwerden könnten. Fels nimmt den Umfang deswirtschaftsfähigen Landesmit zwei Drittel der Festlandsfläche an, während der Engländer C. B. Faw-c e 11 156 ) diese Größe mit nur 3 /io berechnet. Ich halte alle diese Schät-zungen für bedenklich, weil sich vom geographischen Standpunkt gar nichtbestimmen läßt, welches Land nutzbar zu machen ist, welches nicht. Dashängt von unzähligen Umständen: Lage, Klima u. dgl. ab.

Aus dem gleichen Grunde sind die Schätzungen dermöglichen Men-schenmengen, die auf der Erde wohnen können, von nur geringem Werte.Ich will gleichwohl ein paar solcher Schätzungen mitteilen 157 ): K. Ballodnahm als Höchstzahl 5600, E. G. Ravenstein 6000, Frh. v. Fircks 9000 Millionen an.

Eine wesentliche Ausweitung hat die Herrschaft des Menschen über dieErde und ihre Erzeugnisse durch die Entwicklung des Verkehrswesens er-fahren, wodurch es dem Menschen in weitem Umfange gelungen ist, Raumund Zeit zu überwinden, Böden und Klimate beliebig zu verschieben undden Gesamtertrag der Erde erheblich zu steigern 1 ^). Dieses Problem führtuns unmittelbar hinüber zu einem andern, das engstens mit ihm wie mit derNutzbarmachung der Erdoberfläche überhaupt verknüpft ist: dem Problemder Umgestaltung der Erde durch den Menschen, das wir nunmehr ins Augefassen müssen.

II

Der Mensch, nicht zufrieden damit, die Erdoberfläche, sei es als Wohnort,sei es als Mittel der Gütererzeugung, so wie er sie vorfand, zu nutzen, hat esauch für nötig befunden, sie seinen Zwecken noch weiter dadurch dienstbarzu machen, daß er sie und mit ihr in weitem Umfange Pflanzen- undTierwelt sowie die Atmosphäre, die sich über sie erhebt teilweise rechtgründlich umgestaltete. Von diesen Veränderungen der Natur