■durch den Menschen wollen wir uns jetzt einige Kenntnisse ver-schaffen. Dabei kann ich nur einen skizzenhaften Abriß des gewaltigenTatsachenmaterials 139 ) geben, das ja freilich im allgemeinen bekannt ist undnur in Erinnerung gebracht zu werden braucht. Die wichtigsten Verände-rungen also, die der Mensch an der Natur vorgenommen hat, bestehen infolgendem:
1. Veränderung der Flora: Beseitigung schädlicher, Einbürge-rung nützlicher Pflanzen! Austausch der Erdteile! So hat beispielshalberein völliger Szenenwechsel in den Mittelmeerländern noch innerhalb derletzten zwei Jahrtausende stattgefunden: in der antiken Welt gab es nochkeine Goldorangen, keine Pinien, keine Zypressen, keine Opuntien, dagegenwahrscheinlich ausgedehnte Buchen- und Eichenwälder und dementsprechendein viel feuchteres und rauheres Klima 160 ).
Eine allgemeine Erscheinung im Werdegang der Menschheit ist die „Ent-waldung“, das heißt die Verminderung des Waldbestandes. Wir können inihr drei Formen unterscheiden. Die erste bezeichnet einen „Fortschritt“,weil sich die Menschen großenteils aus den Wäldern erst ihr Wohn- undKulturland herausschlagen müssen; die zweite Form der Entwaldung istdie, bei welcher stets ebensoviel Wald angepflanzt als geschlagen wird: hiertritt nicht eigentlich eine Verminderung des Waldbestandes ein; diese bildetdagegen wieder die dritte Form der Entwaldung, die gleichbedeutend istmit einer schädlichen Entblößung des Bodens von Waldbäumen. Sie führtzur Karstbildung und schließlich zum Untergang ganzer Volkswirtschaften.
Gleichzeitig mit dieser mengenmäßigen Behandlung des Waldareals voll-zieht sich die Verwandlung der Wälder in „Forsten“. Sie bedeutet das Ein-dringen „rationeller“, das heißt auf möglichst hohen Geldertrag aus-gerichteter Grundsätze in die Bewirtschaftung des Waldes und verwandeltdiesen in „Wirtschaftswälder“ oder Holzfabriken, womit der Ersatz derLaub- durch die Nadelhölzer verbunden zu sein pflegt. Der „deutsche Wald“w r ar im 14. Jahrhundert zu zwei Drittel, jetzt nur noch zu einem DrittelLaubwald. Hier ist übrigens, wie im Vorbeigehen bemerkt sein mag, eineder Stellen, wo die Natur selbst sich gegen ihre Vergewaltigung auflehntund den Menschen zwingt, von seinem ökonomischen Rationalismus einenerheblichen Teil abzulassen. Die Erfahrung hat nämlich gezeigt, daß dieausschließliche Bepflanzung des Bodens mit Nadelhölzern und die Ein-führung des Schlagwaldes zur Verbreitung der Forleule u. a. Schädlinge bei-getragen hat. Man geht deshalb jetzt wieder vielfach zum Plentnerwald(Wald mit Holzarten aller Sorten und aller Jahrgänge auf einer Fläche)über. Hier erzwingt die richtige ökonomische Ratio wirklich einmal eineRückverwandlung in ästhetisch und menschlich höhere Formen der Kultur.