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Aus der Veränderung der Flora folgt zum Teil die
2. Veränderung der Fauna. Man unterscheidet innerhalb derTierwelt sogen. Kulturflüchter und Kulturfolger.
Die Kulturflüchter ziehen sich vor dem Menschen zurück und verschwin-den schließlich ganz von der Erde: Jagdwild, Pelztiere, Fische, Raubtiereund andere.
Die Kulturfolger halten neben dem Menschen aus, ja drängen sich teil-weise sehr gegen seinen Willen auf. Zu den erwünschten Tierarten gehörenalle Haustiere, zu den unerwünschten alle Schädlinge, die den Menschenfolgen: Reblaus! Forleule! Bazillen in Hülle und Fülle! Ratten in Polen! Mäuse in Littoria! Kaninchen in Australien! usw. Neuerdings fürchtet mangeradezu den Untergang der Menschheit durch Insekten.
3. Umgestaltung der festen Erdoberfläche. Sie erfolgtauf sehr mannigfache Weise: durch Zerstörung und Siedelung (9 Trojas!);durch Bergbau (Aufschüttung der Halden!) ; durch Anbau (Terrassenbau!rationelle Flureinteilung!); durch Küstenzerstörung und Küstenschutz;durch Waldrodung, von der schon die Rede war (Entstehung der Steppe,der Wüste, des Karst!); durch Vorrichtungen zur Durchführung des Ver-kehrs (Durchstiche! Tunnels! Eisenbahnbauten! Autostraßen!).
4. Auswirkung auf die Gewässer: durch Änderung des Grund-wasserstandes; durch Trockenlegung von Sümpfen und Mooren; durch Be-gradigung, Regulierung und Kanalisierung der Flüsse; durch Anlage vonTalsperren und Staudämmen; durch Anlage von Kanälen; durch künstlicheBewässerung.
5. Verbesserung oder Verschlechterung des Klimas.
Die gewaltigste Veränderung der Erdoberfläche hat der Mensch aber
herbeigeführt durch seine
6. Veränderung der Siedlungsweise.
Hier ist das große Ereignis die Zusammenballung der Menschenhaufen inStädten, deren Ausmaß beständig wächst. Die Verstädterung ist zwar auchin früheren Kulturen eingetreten, doch in verhältnismäßig geringem Um-fange — abgesehen davon, daß die alten chinesischen ebenso wie die altenafrikanischen und orientalischen Städte nur in beschränktem Sinne denCharakter einer Stadt im modernen Sinne trugen und zum großen Teilheute noch tragen, sofern sie vielfach in ihren Mauern fruchttragendeGrundstücke einschließen. Eine Tendenz zur Städtebildung stellt sich erstmit dem Aufkommen der Polis im klassischen Altertum und der Bürgerstadtim westeuropäischen Mittelalter ein, verstärkt sich dann aber erst recht undgewinnt ein katastrophales Ausmaß im Zeitalter des Hochkapitalismus, fürdas die Stadt und insonderheit die Großstadt ein rechtes Wahrzeichen wird.