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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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Diese Faktoren bei der Entstehung des Volkskörpers will ich liierwenigstens noch kurz erwähnen und kennzeichnen, obwohl ich mich mitihnen im nächsten Abschnitt, bei der Lehre von der Entstehung der Einzel-person, noch eingehender beschäftigen muß.

Es handelt sich also um eine dritte Möglichkeit der Volkskörperbildung,die wir

3. Anpassung und Auslese nennen, obwohl es sich in Wirklichkeitimmer nur um Anpassung an eine bestimmte Daseinslage handelt, die ent-weder unmittelbar durch Organbildung nach Lamarckscher Weise oder mittelbar durch Überleben des Angepaßten, beziehungsweise Ver-nichtung des Anpassungsunfähigen, also wie wir sagen durch Auslese oderAusmerzung im Darwin sehen Sinne erfolgt.

Wenn wir uns für unsere Zwecke dieser naturwissenschaftlichen Kate-gorien bedienen, so müssen wir uns bewußt bleiben, daß wir sie stets nurim übertragenen Sinne verwenden, weil sie im Bereiche der Menschenweltimmer nur annäherungsweise Geltung beanspruchen dürfen: der Geist trittstets entschlußauslösend, richtunggebend, hindernd und fördernd den natür-lichen Vorgängen als Mitspieler zur Seite und bestimmt diese dadurch nachseinem Gutdünken.

Nehmen wir als Beispiel einen allereinfachstenAnpassungsvorgang un-mittelbarer Art: die stärkere Pigmentierung der Haut in heißen Klimatenrwie mannigfach wird er durch das Dazwischentreten des Geistes beeinflußt!Da ist der Unterschied zwischen Herren und Arbeitern: jene verbringen dieheißesten Stunden des Tages in künstlich gekühlten und gegen Sonnen-strahlen geschützten Behausungen, diese sind stundenlang den Strahlen derSonne auf der Plantage ausgesetzt; aber ganz allgemein entscheidet dieKleidung, entscheidet vor allem die Kopfbedeckung über das Maß derBräunung; die künstlichen Mittel der Bemalung oder Einfettung des Kör-pers sind nicht minder von Einfluß auf die Pigmentierung der Haut.

Immerhin ist in diesem Beispiele, das den Einwirkungen der geographi-schen Umwelt angehört, dieLage, an die es gilt sich anzupassen, von derNatur gegeben. In andern, ja vielleicht den meisten Fällen schafft dagegender Mensch erst künstlich diese Lage durch all die geistigen Potenzen, diewir allsobald als die gestaltenden Kräfte bei der Bildung des Volkes kennenlernen werden, stellt er also erst selbst die Spielregeln auf, unter denen derKampf ums Dasein erfolgen soll.

Trotz dieser Eigenart, die der Anpassungsvorgang in der Welt des Men-schen annimmt, bleibt er doch das steht außer Zweifel von ausschlag-gebender Bedeutung für die Bildung des Volkskörpers in seiner Totalität,wie in seinen einzelnen Teilen; sei es, daß diese soziale Auslese der Aus-