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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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Daß bei dem Mischungsprozeß sich die Merkmale einerHauptrassestärker fortpflanzen als die der andernRassen, wie es manche Forscherannehmen 183 ), beruht auf Vermutung und ist jedenfalls bisher nicht er-wiesen. Die exakten Feststellungen, die jetzt vorliegen, beweisen eher dasGegenteil: so haben neuere Untersuchungen englischer Forscher ergeben,daß fast alle bedeutenden Engländer Mischlinge sind. Blonde überwiegenunter den politischen Reformern und Agitatoren, dunkle unter den Mit-gliedern des Königshauses, den erblichen Aristokraten, den Schriftstellern,den Entdeckern usw. So haben auch Untersuchungen deralten Amerika-ner ergeben, daß die Brünetten überwiegen 184 ).

Das Rassengemisch, das unsere westeuropäischen Völker darstellen, istdas Ergebnis von Kreuzungen einander nahestehender Rassen. In gleicherLage sind Gebiete Zentral- und Ostasiens sowie Zentral- und Westafrikas .Dagegen finden sich an den übrigen Stellen der Erdoberfläche Gebiete, indenen fernerstehende Rassen gekreuzt sind. Dahin gehören also:Nord-Afrika, mittleres, westliches, südliches Afrika: Kreuzung europider-negroider Typen; östliches Europa bis weit nach Asien hinein: Kreuzung«uropider-mongolider Rassen; Vorderasien: zahlreiche Rassen kreuzensich; Malaischer Archipel, Vorder- und Hinterindien: Kreuzung mongolider,weddaisch-negritisch-melanider-europider Typen; Süd- und Mittelamerika -Kreuzung von mongoliden Indianern, Europiden und Negroiden 185 ).

Was wir heute mit Hilfe mühsam herbeigeschafften Materials erwiesenhaben, daß wußten kluge, scharf beobachtende Männer kraft intuitiverSchau schon vor 400 Jahren. So lesen wir bei Bodinus 186 ):

ex his ergo intellegimus, omnes homines tarn peregrationibus tarn etiamcoloniarum multitudine ac frequentia, tarn bellis et Servitute jampridem itaconfusos, ut nulli de origines antiquitate ac vetustate, praeter Hebraeos (1),gloriari possint 187 ).

Nur in einem Punkte sind wir klüger geworden: wir wissen heute, daßgerade auch die Juden ein Mischvolk par excellence sind 188 ).

Aber der Fall der Juden regt wieder andere Gedanken an: wie kommt es,so fragen wir, daß trotz der bunten Zusammenwürfelung des jüdischenVolks sich doch in dem äußeren Typ der Juden eine weitgehende Gleich-förmigkeit und Konstanz beobachten läßt? Diese auffallende Erscheinungerklärt sich uns mühelos, wenn wir bedenken, daß der Volkskörper durchdie verschiedenen Völkerschafts- und Rassenbestände und deren Kreuzungkeineswegs ausschließlich sein Gepräge erhält, daß er vielmehr einer un-ausgesetzten innerlichen Umbildung unterliegt, die durch die fortwährendeWirkung der Anpassung sowie durch Auslese und Ausmerze herbeigeführtwird.