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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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In Deutschland betonen einzelne Forscher, wie Hellpach, Wähleru. a. den rassisch-völkisch-eigenständigen Charakter der verschiedenendeutschen Stämme, während andere wie Eugen Fischer , Hans Gün-ther, v. Eickstedt u. a. an ein Vorwalten der nordischen Rasse imganzen, deutschen Volke glauben. Objektiv feststellen läßt sich der richtigeTatbestand wie gesagt nicht.

Von ausschlaggebender Bedeutung für den Aufbau des Volkskörpers istes nun aber, ob die gehäuften Völkerschaften im Rahmen des Volkes un-vermischt nebeneinander bestehen bleiben oder untereinander sich mischen.

Im ersten Falle bilden sichKaste n innerhalb des Volkskörpers (dieallmählich von Staat, Recht, Sitte als solche anerkannt werden), in denendie gleichstämmigen oder gleichrassigen Volksgenossen vereinigt unter sichbleiben.

Am strengsten durchgeführt ist, wie man weiß, dieses Prinzip im Osten,namentlich in Indien, abgemildert, aber doch in Gültigkeit, hat es geherrschtauch in den europäischen Staaten, solange hier noch so etwas wie Standes-bewußtsein vorhanden war: die Adelskreise heirateten unter sich, aber auchdas Großbürgertum hielt sich abseits von der großen Masse, und keinBauernsohn ehelichte eine Häuslertochter. Und wie sich eine gewisse Ex-klusivität der Art infolge sozialerVorurteile erhielt, so wurde sie aufganz natürliche Weise durch die Bodenständigkeit der Bevölkerung be-wirkt: Dorf blieb bei Dorf, Stadt bei Stadt, Stamm bei Stamm.

Das alles hat sich nun in der neueren Zeit von Grund auf gewandelt. ImLaufe vor allem des 19. Jahrhunderts sind alle Schranken gefallen: einer-seits, weil die Vorurteile geschwunden sind: Bürger und Adelige heiratendurcheinander, aber auch Groß- und Kleinbürgertum verschmelzen all-mählich und selbst der Bürger und der Proletarier vereinigen sich in demneuen Mittelstände; andererseits, weil die moderne Verkehrstechnikdie Menschen durcheinander gewürfelt hat wie ein starker Wind einenHaufen Lumpen oder Federn. Damit tritt die zweite Möglichkeit in derBildung des Volkskörpers in die Erscheinung,

2. die Vermischung. Wir kommen von einem Rassengemenge über dieRassenmischung zu einem Rassengemisch, das nun entweder ein allge-meines ist, oder auf bestimmte, mehr oder weniger große Kreise des Volkesbeschränkt bleibt. Das Ergebnis dieser Rassenmischung in unserer Zeit stellteiner unserer besten Kenner wie folgt fest 182 ):Die Kulturmenschheitzeigt... nicht wie etwa die Hunde, Schweine, Rinder usw. scharf geschie-dene Zuchtrassentypen, sondern stellt ein ,rasseloses 1 Gemisch dar, das unsin den internationalen Verkehrszentren in besonders abschreckender Formvor Augen tritt.