362
Morgen voll Bananen kann mehr als 50 Personen ernähren, ein MorgenWeizen in Europa zwei; die Ergiebigkeit der Banane ist 44mal größer alsdie der Kartoffel, 133mal größer als die des Weizens (Al. v. Humboldt).So trug die Einführung des Brotfruchtbaumes in Westindien zum Ver-sinken der dortigen Neger bei. Und so weiter.
Wo die Natur gar nichts trägt, erschlafft der Mensch in gleicher Weise.
Arme Böden rufen zur Entfaltung der wirtschaftlichen Energien auf undstählen ein Volk. Das preußische Volk — beispielsmäßig — ist den ärm-lichsten Böden entwachsen: man rechnet 191 ) im Bereiche des PreußischenStaates ungünstige Tonböden und Sand- und Moorböden 42,9 vH., gemischtsandige Lehm- und lehmige Sandböden 34,4 vH., günstige Lehm- und Ton-böden 20 vH.
In acht Ertragsklassen eingeteilt gehören
43,1 vH. den beiden letzten Klassen,
73,8 vH. den drei letzten Klassen an.
Auch rauhe Steppenländer erziehen ein Volk, indem sie auf eine starkeEnergieentfaltung bei der Ausbildung der Viehzucht hinwirken.
In solchen Ländern bilden sich die Eroberervölker aus: Mongolen, Se-miten, Arier in der Frühzeit stammen aus solchen Gegenden. Die Erneue-rung der Staaten geht vielfach von Völkern oder Stämmen aus, die in der-artig rauhen und unergiebigen Ländern groß geworden sind: Spanien wirdvon den Männern aus Asturien, Schweden im 16. Jahrhundert von Dalarne,Deutschland von Preußen aus neugestaltet. (Man kann sich die Sache indieser Weise zurecht legen, daß man den Nachdruck auf den Einfluß dergeographischen Umwelt legt; man kann die Zusammenhänge aber auchanders deuten, nämlich so, daß man annimmt, „die rauhen Söhne der Berge“waren Völkerschaften eigener Prägung, die sich die ihnen gemäßen Sied-lungsgebiete erst auswählen. Über dieses Problem spreche ich noch ausführ-licher weiter unten; siehe das 24. Kapitel!
3. Ob und inwieweit das Klima allein die Eigenart der Völker be-stimmt, ist im 18. Jahrhundert das Gesprächsthema der gebildeten Weltgewesen und soll im Zusammenhänge mit dem gesamten Umweltproblemebenfalls weiter unten erörtert werden: siehe das 26. Kapitel!
4. Das Verhältnis des Wassers in einem Lande zu den dieses bewohnen-den Menschen kann von ausschlaggebender Bedeutung für deren Schicksalwerden. Ob eine zentrale Wasserbewirtschaftung in Gestalt von Regulie-rungen der Flüsse, Anlage von Deichen, Schaffung von Bewässerungs-vorrichtungen u. dgl. nötig und möglich ist oder nicht, scheidet die Völkergeradezu in Gruppen, die wir als geschlossene und offene Völker bezeichnenkönnen: China, Indien, Ägypten, Mesopotamien sind die Länder der Wasser-