Bewirtschaftung und der geschlossenen Völker, die in straff organisierten.Staatsverbänden früh zu einer Einheit zusammengefaßt werden; die europäi-schen Gebiete sind die Länder, in denen die freie Nutzung des Wassers denEinzelnen oder dem Dorf oder der Stadt überlassen bleibt, in denen also.eine Zusammenballung der Völker nicht nötig war und der Individualismus■sich entfalten konnte.
Aber auch schon ein bestimmter Feuchtigkeitsgehalt in der Luft kannüber das Schicksal eines Volkes entscheiden, wenn er etwa dazu beiträgt,wie in England , das kulturelle Schwergewicht aus einem Landesteile in‘den andern (aus dem fruchtbaren Osten in den unwirtlichen NordwestenEnglands ) zu verlegen, weil hier etwa die Feuchtigkeit der Luft die Baum-wollspinnerei begünstigt.
5. Die organischen Landesschätze — Fauna und Flora — be-stimmen in mehrfacher Hinsicht die Eigenart der Völker. Ein reicher Wild-•stand erhält die Jagdvölker, ein reicher Fischbestand die Fischereivölkeram Leben, die sich ohne ihn schon früher hätten wandeln müssen.
Holzreichtum in einem Lande bestimmt die wirtschaftliche und künstle-rische Tätigkeit eines Volkes.
Die Entwaldung kann (wie in manchen Gebieten des Orients) zum Völker-tod oder (wie in Europa) zur völligen Umgestaltung der völkischen Lebens-weise erheblich beitragen: Entwicklung bei uns der modernen Technik, dieim wesentlichen eine Folge der wachsenden Holznot im 18. Jahrhundert ist!
6. Wichtiger noch — und meist verhängnisvoll — für das Schicksal einesVolkes kann der Besitz anorganischer Landesschätze sein. Man•denke an den Niedergang Spaniens infolge seines Reichtums an Silber-minen; oder an den Verfall Deutschlands seit dem Ende des 16. Jahr-hunderts wegen des Versiegens seiner Bergwerke! Man denke aber vorallem an den „Aufschwung“ aller erz- und kohlenreichen Länder Europas seit der Erfindung des Kokes-Verfahrens in den 1760er Jahren. Hier ist•ein neuer Volkstyp entstanden: das „Industrievolk“, das um die Kohlen-läger herum aufwächst.
Freilich — so müssen wir wieder räsonnieren —: der Industrialisierungs-wahn der Zeit hat auch kohlenarme Länder ergriffen und gestaltet auch■deren Völker in der gleichen Richtung um.
Ändert sich die Technik, ändert sich das Volk, und hierbei wird dieLandesnatur immer entscheidend mitsprechen. Wenn jetzt die Elektro-technik weitere Fortschritte macht, so kann es leicht geschehen, daß sich■der Schwerpunkt der „Kultur“ (worunter heute im wesentlichen der Gradder Automatisierung verstanden werden muß) in die Länder mit reichenWasserfällen verschiebt.