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sous une morne somnolence, vivront engourdis dans leur nullite comme lesbuffles qui ruminent dans les flaques stagnantes des marais Pontins“.
III
Fragen wir nun, wie wir uns zu diesen „Theorien“ stellen sollen, so ver-steht es sich von selbst, daß wir jeden Versuch, das Geschehen im Völker-leben als einen Naturvorgang zu erfassen und mit naturwissenschaftlichenDenkkategorien zu bearbeiten, als eine schlimme Verirrung ablehnen. Damitentfällt auch die Annahme irgendwelcher Naturgesetzlichkeit solchen Ge-schehens. Für uns gibt es in der Vergangenheit nur mehr oder wenigerbeglaubigte Tatsachen, die mehr oder weniger häufig sich beobachten lassen,in der Zukunft nur Möglichkeiten, allenfalls Wahrscheinlichkeiten.
Bei dieser Gesamteinstellung werden wir den Wert und die Bedeutungder einzelnen „Theorien“, nachdem wir ihnen allen naturgesetzlichen Flitterabgestreift haben, wie folgt einschätzen:
1. den Kreuzungs- und Mischungstheorien stehen wir einstweilen ab-wartend gegenüber: ob sich noch sicherere Beweisgründe für Segenoder Unsegen ergeben werden. Einstweilen stellen wir fest, daßmanche Mischungen segensreich, manche unheilvoll gewirkt haben.
2. den Aufstiegs- und Niedergangstheorien gegenüber wächst unserSkeptizismus, weil hier noch ein Unsicherheitskoeffizient hinzutritt,das äst das Urteil, was Aufstieg und -was Niedergang ist. Machenwir uns klar, daß diese beiden Begriffe schwer Wert-beladen sind unddamit der subjektiven Deutung volle Freiheit lassen. Ich denke andie Schlußworte des G o b i n e a u sehen Werkes. Ist der Zustand,den er für die Menschheit voraussah, nun tiefster Verfall oder höchsterBlüte? Sie wird — das dürfen wir für die Büffelherde voraussetzen —völlig gesund sein, sie wird gut genährt sein und sich ungehindert be-gatten, sie wird sich darum ihres Lebens freuen, sie wird aus wesent-lich gleichen Individuen bestehen. Was kann sie noch mehr erwarten?
3. Anders liegt es mit der Zwei-Völker-Theorie. An dieser scheintwirklich etwas „dran zu sein“, wie man zu sagen pflegt. Es scheintin der Tat, als ob häufig ein eroberndes und ein erobertes Volk inihrer Vereinigung den Anfang einer höheren Kulturentwicklung ein-geleitet haben; es scheint aber auch, daß diese beidenUr-Völker in sehrvielen Fällen den Charakter von kühnen Reiter-Nomaden und fried-samen Hackbauern, von Brustrasse und Bauchrasse gehabt haben.
Darum glaube ich, daß wir die Zwei-Völker-Theorie, bei vorsichtigemGebrauch, als eine gute Arbeitsidee bei unsern völkergeschichtlichen Studienmit Vorteil werden verwenden können.