Aber vor allem müssen wir des Werkes eines Engländers gedenken, dasdie umfangreichste, gelehrteste und gründlichste Untersuchung systemati-schen Inhalts auf dem Gebiete der Milieu-Theorie — ich glaube allerZeiten — ist, des Werkes des englischen Arztes William Falconer , das1781 unter dem Titel: Remarcks on the influence of climate etc. in englischerSprache erschien und schon im Jahre 1782 von einem Manne namensHebenstreit ins Deutsche übertragen wurde, wo es den langen aberlehrreichen Titel führt: „Bemerkungen über den Einfluß des Himmelsstrichs,der Lage, natürlichen Beschaffenheit und Bevölkerung eines Landes, derNahrungsmittel und Lebensart auf Temperament, Sitten, Verstandskraft,Gesetze, Regierungsart und Religion der Menschen. Aus dem Englischen mitAnmerkungen und Zusätzen.“ Es ist aber auch 698 Seiten stark. Das Buch istso wenig bekannt, selbst in England, daß der Name seines Verfassers in derEncyclopedia Britanica fehlt und man sich über sein Leben und Schaffenbei E r s c h und G r u b e r unterrichten muß. Und verdient doch Beachtungin hohem Grade. Zwar ist die Feststellung, die der Verfasser in der Vorredemacht: sein Buch sei die erste Darstellung der Milieu-Theorie in einer eigenenSchrift, nicht richtig — ich habe selbst ein französisches Buch genannt, dassich schon 1765 mit dem Problem eigens beschäftigte —; aber richtig ist, daßdem Buch von Falconer kein zweites an Gründlichkeit und Ausführlich-keit damals gleichkam und auch in der Zukunft nicht gleichgekommen ist.Um dem Leser eine Vorstellung von dem reichen Inhalt des englischenWerkes zu geben und damit zu zeigen, welchen hohen Grad von Voll-kommenheit die Milieu-Theorie im 18. Jahrhundert bereits erreicht hatte,will ich eine Übersicht über den Inhalt geben:
Das Werk zerfällt in sechs Bücher (I—VI), die folgende Gegenständebehandeln:
I. Über die Wirkungen des Himmelsstrichs auf denMenschen; es werden unterschieden: Wirkungen eines heißen, eineskalten, eines gemäßigten Himmelsstrichs, und zwar auf: Temperament undGemütsart, das äußere Betragen, die Geisteskräfte, Gesetzgebung undGewohnheiten, die Regierungsform, die Religion;
II. Einfluß der natürlichen Lage und Größe einesLandes: Osten und Westen von Europa aus; festes Land und Inseln;Größe und Macht eines Landes; Gemeinschaft mit andern Ländern;
III. Einfluß der natürlichen Beschaffenheit eines L ari-des : Gebirgig — eben; fruchtbar — unfruchtbar;
IV. Einfluß der Bevölkerung eines Landes: Starke —geringe Bevölkerung;