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„Ach! Wenn in unserer engen Zelle„Die Lampe freundlich wieder brennt,
„Da wird’s in unserm Busen helle,
„Im Herzen, das sich selber kennt.“
Das sind Gedanken, die man gerne fortspinnt. Aber ich möchte dochraten, sehr vorsichtig zu sein. Denn man kann auch als sehr kluger Mannsich ganz gräulich irren. Ich denke an ein Wort, das Fridericus M am10. August 1739 an Jordan schrieb, als er in Ostpreußen sich aufhielt: „Lieberstürbe ich als länger zu bleiben. Ich weiß nicht, was mir meine Geisteskraft,erstarren läßt. Vielleicht taugt dieses Land nicht zum Denken.“ In demdoch immerhin ein wenig später Hamann, Herder und Kant einigesvon Bedeutung „dachten“.
Die Feststellung so mannigfacher — immerhin denkbarer — Beziehungenzwischen Umwelt und geistiger Kultur hat uns vorbereitet zur Beantwortungder weiteren Frage nach dem Wirkungsbereiche des Milieus:
e) Ist und wie weit ist die Gesamtheit einer Kultur dem Einflußdes natürlichen Milieus (auf das wir uns hier beschränken müssen, da wirsonst mit dem weitschichtigen Problem der Beeinflussung der einen Kulturdurch die andere zu tun bekommen) zuzuschreiben? Ist insbesondere eine-bestimmte Umgebung — insonderheit ein bestimmtes Klima — Voraus-setzung, um hohe und höchste Kulturleistungen zu erzielen.
Seit Hegel sind wir daran gewöhnt, anzunehmen, daß die Kultur sichin der gemäßigten Zone entwickelt habe und sich nur hier entwickelnkonnte. Amerikanischer Gewissenhaftigkeit verdanken wir sogar Unter-suchungen darüber, welches das Klima-Optimum zur Erzielung höchsterKulturleistungen ist. Die Feststellungen sind gemacht an Fabriken mitStücklohn, und ihr Ergebnis ist dieses: daß das Optimum zwischen einerDurchschnittstemperatur von 58 und 71 Grad Fahrenheit (etwa 15 und21 Grad Celsius) liegt. Wo dieses Optimum herrscht, hat die Kultur die-höchsten Leistungen erzielt. Sollte das nicht stimmen, so hat sich dasKlima verändert 245 ). Andere Forscher urteilen nicht so radikal, sondernversuchen „Gesetze“ aufzustellen für den Zusammenhang zwischen (ver-schiedenen) Klimaten und dem kulturellen Optimum. So hat ein M r Man-ge o 11 e, den ich aus den Zitaten bei P 6 p i n 248 ) kenne, ermittelt, daß dieKultur die Tendenz habe, von Süden nach Norden — aus heißen in immerkühlere Klimate — zu wandern, und er teilt demgemäß die Geschichte invier Perioden, deren erste in 24—32° n. Br., die letzte auf dem 60. Breiten-grade liegt.