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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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selten sich einstellt. Das heilige Gestirn der Nordlandsvölker ist der Mond,nicht die Sonne. Hat man sich einmal schon die Frage vorgelegt, obGoethes Dichtung ohne eine feuchte Umwelt zu denken wäre (außer denWerken, die in Rom entstanden sind)?

Durch die Steine, durch die RasenEilet Bach und Bächlein nieder...

Füllest wieder Busch und TalStill mit Nebelglanz.,..

Im Dämmerschein liegt schon die Welt erschlossen,

Der Wald ertönt von tausendstimmigem Leben,

Tal aus Tal ein ist Nebelstreif ergossen...

Und steigt vor meinem Blick der reine MondBesänftigend herüber, schweben mirVon Felsenwänden, aus dem feuchten BuschDer Vorwelt silberne Gestalten aufUnd lindern der Betrachtung strenge Lust ...

Was schlurfst aus dumpfem Moos und triefendem GesteinWie eine Kröte Nahrung ein?

Aus Wolkendecke, Nebel, RegenschauerErhebt sie uns...

Und so fort an unzähligen Stellen.

Ich habe vor Jahren einmal versucht, die ganze Veranlagung von Völkern aufden verschiedenen Feuchtigkeitsgehalt der Luft zurückzuführen, indem ich Wald-und Wüstenvölker einander gegenüberstellle: Die nordischen Völker und dieJuden als Vertreter dieser beiden Typen. Ich glaube, daß in der Tat hier eineweitgehende Beeinflussung völkischer Eigenart durch geographische Umweltensich wird nachweisen lassen. Siehe mein Buch: Die Juden und das Wirtschafts-leben 1911, 14. Kapitel.

Selbst die Wissenschaft, namentlich die Naturwissenschaft, erscheint,wenigstens in ihrer Entstehung, umweltbedingt: sie ist erst möglich in einerNatur, die nicht mehr überwältigt. Mag man nun die Astronomie im dunklen,nebligen Norden oder unter dem sternenklaren Himmel Mesopotamiens ent-stehen lassen: sicher liegt ihr Geburtsort nicht in einem tropischen Klima.

Und nun denke man wieder an den Unterschied zwischen dem Süden unddem Norden Europas! Man vergegenwärtige sich, daß die griechische-Wissenschaft und vor allem die griechische Philosophie in Gottes freierNatur, die nordische in der Stube 244 ) entstanden sind. Sollten sich daraus,nicht wesentliche Verschiedenheiten ableiten lassen? Das vielfach eng-brüstige, verschrobene, zerdrückte Wesen im nordischen Denken. Aber dannauch wieder seine Zartheit, Innigkeit, Innerlichkeit!