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noch gedulden. Die diplomatische Aktion dauerte fort. Ungegründete Be-sorgnisse für die Sicherheit Schlesiens veranlaßten noch einen Linksabmarschder Heere auf dem eigenen Boden. Die II. Armee rückte an die Neißeab; die I. folgte bis Görlitz—Reichenbach . Die Elbarmee stellte sich beiBelgern südlich Torgau beiderseits der Elbe auf, über die eine Kriegsbrückegeschlagen war. Die Annahme des österreichischen Antrages vom 14. Junidurch den Bundestag machte inzwischen den Zögerungen ein Ende. Sieveranlaßte am 16. Juni das Einrücken der Elbarmee in Sachsen und derTruppen des Generals v. Falckenstein in Kurhessen und Hannover . DieserGeneral hatte den Befehl, die Hannoveraner zu entwaffnen und sich als-bald für die Verwendung auf einem anderen Kriegsschauplatze bereit zuhalten.
(S. Skizze 23)
Am 15. Juni stand General v. Manteuffel mit seiner Division beiAltona, General v. Goeben mit der seinen bei Minden , General v. Beyerbei Wetzlar . Alle drei setzten sich in Bewegung, Manteuffel noch am 15.,die beiden andern am 16. Juni früh. Manteuffel überschritt die Elbe und war am 17. in Lüneburg . In der Nacht darauf überfiel eines seinerBataillone die kleine hannoversche Festung Stade , erbeutete zahlreiche Ge-schütze, 14000 neue Gewehre und viel Munition. Eines der inzwischennach Holstein entsendeten Landwehrbataillone übernahm die Besatzung.Von Lüneburg aus wurde die eine Hälfte der Division bis zum 20. mitder Bahn nach Hannover befördert, die andere erreichte mit FußmarschCelle. Die Division Goeben hatte Hannover schon am 17. nachmittagsbesetzt, ohne Widerstand zu finden, und rückte am 20. in der Richtungauf Göttingen bis Alfeld vor. General v. Beyer hatte am Tage vorhermit Hilfe der Eisenbahn, auf kurhessischem Boden als Befreier begrüßtseinen Einzug in Kassel bewerkstelligt, wo er am 20. stand. Der Kurfürstward gefangen gesetzt; seine Truppen, nur 4000 Mann stark, führten denAbzug mit der Bahn nach Mainz durch; 2 Schwadronen traten zum 8. Bun-deskorps über. Die Hannoveraner befanden sich also an diesem Tagebereits zwischen den beiden preußischen Divisionen in und um Göttingen .Ihre Stärke wurde auf IS000 Mann angegeben.
Es begann die denkwürdige Umzingelung, die durch Moltkes Eingreifenzum guten Ende geführt wurde. Bei Göttingen setzte sich die han-noversche Armee, so gut es gehen wollte, auf Kriegsfuß. 3000 Reser-