Druckschrift 
2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
Entstehung
Seite
295
Einzelbild herunterladen
 
  

Preußischer Angriff aus den Höhcnrand bei Trautenan

295

beim Vorgehen allmählich drei Gruppen. Die Mitte ging durch die Stadt,besetzte die Häuser der Südseite, um von dort das Gefecht aufzunehmen.Schützen stiegen bis auf die Dachböden und Dächer, sahen aber bald ein,daß auch von dort gegen den überragenden Bergrand nicht viel auszu-richten sei. Truppweise arbeiteten sie sich sodann aus Höfen und Hinter-gebäuden heraus den Abhang empor. Die rechte Gruppe, meist aus derSeitenkolonne von Schatzlar gebildet, ging teils durch die Stadt teilswestlich um dieselbe herum, durch hohes Getreide begünstigt, gegen denlinken Flügel der Österreicher vor. Ihr gelang es am Ende, den Galgen-berg zu nehmen. Mittlerweile hatte auch das litthauische Dragonerregi-ment Trautenau westlich umgangen und prallte mit Teilen auf die nochdurch eine Ulanenschwadron verstärkten Windischgrätzer. Es kam zu wil-dem Handgemenge, in das die Infanterie von beiden Seiten hineinschoß, die preußische mit Recht, weil die Zahl der Ihren in dem Gewühlerheblich geringer war. Dann trennten sich die Gegner, sammelten sichwieder und beschränkten sich auf Beobachtung. Die linke Gruppe derpreußischen Avantgarde drang, von einer Batterie, die mit ihr die Höheerklomm, unterstützt, gegen den Hopfenberg vor.

Der auf der Höhe nordöstlich Trautenau eingetroffene kommandierendeGeneral v. Bonin setzte die 2. Division gegen die österreichische rechteFlanke ein, doch nicht einheitlich und auch nicht vollständig, sondern erst3, dann wieder 3 und schließlich noch 2 Bataillone. Jedesmal wurdedabei zur Eile gemahnt.

Gablenz erkannte rechtzeitig die der Brigade Mondel drohende Gefahrund ließ sie gegen 1 Uhr nachmittags in die Stellung Neu-RognitzSorgezu beideu Seiten der Straße nach Königinhof zurückgehen. Die preußi-schen Bataillone folgten. Das mißverständlich, jedoch mehrfach abgegebeneHornsignaldas Ganze sammeln" veranlaßte jedoch den größten Teil derAvantgarde, nach der Stadt zurückzukehren, ein Vorgang, der sich nurdurch den Mangel an Kriegsgewohnheit und Selbständigkeit der Unter-führer erklärt. So kam das Vorgehen in der Linie HohenbruckAlt-Nognitzzum Stehen. Die einzige der preußischen Infanterie unter den größtenSchwierigkeiten gefolgte Batterie konnte allein gegen mehrere feindlicheBatterien, die drüben erschienen, nicht aufkommen. Die Verbände hattensich gemischt, die einheitliche Leitung aufgehört. Eine Gefechtspause tratetwa von 2 Uhr ab ein. Beim Generalkommando hatte man den Ein-druck, daß der Feiud abzöge. General v. Bonin lehnte daher die Unter-stützung der auf dem Wege nach Eipel gerade östlich Parschnitz vorbei-marschierenden 1. Gardedivision ab.