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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VI. Die Kämpfe um Deutschlands Einigung

Bald danach erwachte der fast verstummte Kanonendonner von neuem;der Feind ging von Neu-Nognitz wieder vor. Nun befahl General v. Bonin,der von seinem Standpunkte aus nur wenig Übersicht über das Gefechts-feld hatte, daß die Reserve die 2. Brigade die Aupa überschreitenund sich hinter den vorn entwickelten 3 Bataillonen aufstellen sollte. Auchdie Avantgarde sollte wieder vorgehen.

Auf österreichischer Seite waren bei der Brigade Mondel zunächst 3 Bat-terien von der Reserveartillerie und der Brigade Grivicic eingetroffen.Dann kam diese Brigade init ihren 7 Bataillonen an, entwickelte sich rechtsneben Mondel, griff Alt-Rvgnitz an, wurde zwar das erstemal abgewiesen,drang aber bei einem zweiten mit allen Kräften unternommenen Angriffe,der die preußische Liuke umfaßte, in das Dorf ein. Die Besatzungetwa 2 Bataillone wich über die Höhen fechtend auf Parschnitz zurück.

Auf dem linken Flügel Mondels traf gegen 4 Uhr nachmittags dieBrigade Wimpffen ein und ging, kräftig unterstützt durch die schon auf-gefahrenen und neu ankommenden Batterien der Geschützreserve, beiderseitsder Straße gegen Hohenbruck vor. 2 am Galgenberg und Kapcllenbergaufgefahrene preußische Batterien wichen vor der großen Überlegenheit derfeindlichen Artillerie zurück. Andere auf den Höhen nördlich Trautenau stehende preußische Batterien konnten der Entfernung halber nicht wirksameingreifen. Die Besatzung des tief im Grunde gelegenen Dorfes 2^Bataillone räumte dieses und ging teils auf die Höhen südlich Trau-tenau , teils in der Richtung auf Kriblitz zurück. Die Unterstützung durchdie Avantgarde blieb aus. General Großmann hatte den Befehl zumVorgehen nicht erhalten, die Bataillone zwischen den beiden Dörfer räum-ten, nach dem Zurückgehen der Flügel, gleichfalls allmählich das Feld.

Am Kapellenberge wiesen 2 Bataillone der Reserve vom Infanterie-regiment 43 wiederholte Angriffe der Brigade Wimpffen erfolgreich ab.Um 5 Uhr war indessen auch die letzte österreichische Brigade Knebel ein-getroffen. Der Angriff wurde erneuert. Zu dieser Zeit machte die preußischeReservekavallerie gerade den Versuch, durch die engen Straßen von Trau-tenau westlich hinaus vorzugehen, mußte aber vor dem feindlichen Ar-tilleriefeuer wieder zurückkehren. Dies veranlaßte auch die noch in Trau-tenau verbliebenen Abteilungen, die Stadt zu verlassen. Die Nachrichtverbreitete sich, der allgemeine Rückzug sei befohlen, und bewog auch nochandere Truppen, sich der Bewegung anzuschließen. Der Kapellenberg, zu-letzt noch durch 2 schon stark zusammengeschmolzene Kompagnien unterH:urn?.a"n r. d. Tlsnitz tapfer verteidigt, wurde von den Österreichernerstürmt. Bei Kriblitz leistete das Grenadierregiment 3 eine Zeitlang wirk-