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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VI. Die Kämpfe um Deutschlands Einigung

Eine zweistündige Pause trat ein, während welcher Oberst Grivicic ver-geblich auf einen Befehl wartete, aber auch die Gefahr, in der er schwebte,nicht erkannte. Erst als sich die ganze 2. preußische Gardedivision gegenihn wendete, entschloß er sich zum Rückzüge. Es war aber schon zu spät,seine rechte Flanke umfaßt, seine Front wieder angegriffen; er selbst fielschwer verwundet in preußische Hand, und die tapfer? Brigade , die tagszuvor die Hauptlast des Kampfes getragen und am meisten gelitten hatte,löste sich auf. 78 Offiziere, 2434 Mann fielen in Gefangenschaft, dar-unter eine Abteilung von S00600 Mann, die sich abends einen Wegdurch die preußischen Biwaks zu bahnen suchte. Nur etwa 2000 Mannkamen im Lager von Neuschloß an. Der Gesamtverlust des 10. öster-reichischen Korps betrug 85 Offiziere, 2823 Mann. Die preußische Garde,die zwischen Trautenau und Eipel lagerte, hatte nur einen Verlust von23 Offizieren, 635 Mann tot und verwundet zu beklagen.

Das Gefecht von Skalitz(S. Skizze 28)

Auch weiter südlich wurde wieder gefochten wie gestern am 27. Generalv. Steinmetz befand sich am 23. vor einer großen Übermacht, dem 6., 4.und 8. österreichischen Korps. Ihm selbst floß nur die 22. Brigade vom6. Armeekorps als Verstärkung zu. Dennoch gedachte er, sich nicht an-greifen zu lassen, sondern vorzugehen. Er hatte sein Korps neu eingeteiltund stellte seine Avantgarde westlich, die 22. Brigade Hoffmannsüdlich, das Gros seines Korps östlich Wysokow auf und beauftragte Ge-neral v. Loewenfeld, mit der bisherigen Avantgarde rechts über Studnitzvorzugehen. Eine feindliche Reitermasse, die aus Zlitsch heraustrat, wurdealsbald durch Loewenfelds Batterien vom Schaf-Berge her zur Umkehr ge-zwungen. Feindliche Batterien antworteten von Skalitz. Sofort entschloßsich Steinmetz zum Angriff, obgleich er um 10^ Uhr benachrichtigt wurde,daß er auf die Unterstützung des Gardekorps nicht rechnen könne.

Das 8. österreichische Korps, zusammengesetzt wie die anderen, vomFeldmarschalleutnant Erzherzog Leopold befehligt, hatte nur 3 Brigadenzur Stelle. Am frühen Morgen löste es das 6. in erster Linie ab undentwickelte sich mit der Brigade Schulz südlich, mit den Brigaden Kreyßernund Fragnern nördlich Skalitz auf dem hohen Talrande der Aupa, diesenFluß im Rücken. Beide Maßregeln waren nicht glücklich. GelichteteTruppen, die man ablöst, halten sich meist von weiterer Teilnahme amKampfe für entbunden, während sie in erster Linie immer noch Nutzen