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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Lage der Heere am 28. Juni früh

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UM noch weiter vordringen zu können. Der Feldzeugmeister hatte über-dies in der Nacht seine Absichten noch geändert, als ihm die Kunde vomVordringen der I. preußischen Armee über Eisenbrod und Turnau wurde.Er wollte die Korps von der Jser und die Hauptarmee einander nähern.Die beiden Korps des Kronprinzen von Sachsen sollten dazu rechts ab-marschieren, die an der Aupa überflüssigen ihm entgegenrücken. Die Deckunggegen die II. preußische Armee würde fortan nur dem 10. und 4. Armee-korps übertragen werden. Gablenz hatte infolgedessen am 28. morgens75/2 Uhr den Befehl erhalten, nach Praußnitz zurückzugehen. Er ließsofort sein Fuhrwesen und die Geschützreserve »ach Königinhof aufbrechenund folgte mit den Brigaden Knebel, Wimpsfen und Mondel. Grivicicsollte nach Raatsch nahe westlich Eipel marschieren und dort als NachhutStellung nehmen.

In diesen Marsch hinein stieß das preußische Gardekorps, das be-kanntlich den Österreichern in die Flanke fallen und Trautenau wiedernehmen sollte.

Das Gefecht von Burkersdorf am 23. Juni ^866

Feldmarschalleutnant Gablenz gewahrte den Anmarsch der Garde undließ die Brigade Knebel mit 5 Batterien an der Chaussee nördlich Burkers-dorf mit der Front nach Osten aufmarschieren, um seinen Abmarsch zusichern. Die irrige Meldung, daß statt der erwarteten Brigade vom eigenen4. Korps die preußischen Garden schon in Praußnitz eingerückt seien, ver-anlaßte ihn jedoch, den Rückzug alsbald fortsetzen zu lassen, und zwarwestlich auf Pilnikau und Neuschloß. So konnte die Avantgarde der

1. Gardedivision ohne Mühe und erhebliche Verluste in die Stellung ein-dringen. Links neben Knebel hatte sich die Brigade Mondel zu entwickelnbegonnen und wies einige preußische Kompagnien ab, folgte aber danndem Rückzüge. Die Brigade Wimpffen beteiligte sich überhaupt nur mitihrer Batterie am Kampfe und marschierte nach Pilnikau.

Die Brigade Grivicic, die überdies den Befehl zum Abrücken erst um9^/2 Uhr erhielt und zurzeit ganz ohne Kavallerie und Artillerie war,wurde auf diese Weise völlig allein, aber auch ohne Nachricht vom Vor-gefallenen gelassen. Als sie auf ihrem Marsche nach Raatsch beim stei-nernen Kreuz südlich Rudersdorf ankam, stieß sie unvermutet auf einBataillon Kaiser-Franz-Grenadiere, das die über Eipel anmarschierende

2. Gardedivision mit Sicherung ihrer rechten Flanke beauftragt hatte. Esgelang ihr zwar, dies Bataillon zurückzuwerfen, aber ein zweites kamihm zu Hilfe, und die Brigade wurde aufgehalten.