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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VI. Die Kämpfe um Deutschlands Einigung

Die Lage der II. preußischen Armee hatte sich an diesem Tage nichtunwesentlich geändert. Das 1. Armeekorps, das die Avantgarde hätte über-nehmen, rüstig vorgehen und dadurch die Lage des 5. Korps erleichternsollen, war hinter die Gebirgspässe zurückgeflutet. Der Kronprinz, derdem Gefecht von Nachod beigewohnt und schon befohlen hatte, daß dieGarde am nächsten Tage dieses Korps unterstützte, mußte sie nunmehrbeauftragen, über Eipel in Gablenz' rechte Flanke vorzugehen und Trau-tenau wieder zu nehmen. Von dem Erfolg hing das weitere ab.

Die Elbarmee ruhte am 27., die Gardelandwehrdivision kam zu ihrheran; die I. benutzte den Tag zum Aufschließen und Bereitstellen für den,mit Rücksicht auf jene Armee bis zum 28. aufgeschobenen Angriff vonMünchengrätz.

Benedek schwankte während des 27., ob er sich gegen die feindliche I.oder II. Armee wenden solle. Auf den Kanonendonner von Nachod hinbeschloß er, das 8. Korps nach Dolan an das gefährdete 6. heranzuziehen.Auch das 4. sollte sich zu dessen Unterstützung bereithalten und nur eineBrigade dem 10. nähern. 4 Korps waren somit schon gegen die Armeedes preußischen Kronprinzen verwendet. Trotzdem wurden die Befehle fürden Marsch nach dem Westen noch bearbeitet, aber nicht mehr abgesendet,als die Niederlage von Nachod bekannt wurde. Die noch zurückgebliebenenHeeresteile erhielten die Ausforderung, den Marsch auf Josefstadt zu beeilen,die zur Unterstützung des 6. bestimmten zwei Korps noch näher an diesesherangezogen. Wider seinen Willen sah sich der Oberbefehlshaber vor denschlesischen Gebirgspässen festgehalten. An der Jser standen die Sachsennördlich und westlich von Münchengrätz , das österreichische Korps da-hinter. Die Offensive hatte Kronprinz Albert aufgegeben. Er wollteaber die Stadt behaupten, bis er klarer in die Absichten des Feldzeug-meisters sah.

Der 28. Juni ^866

Wäre General v. Bonin stehen geblieben, wo er am Abend nach demGefecht von Trautenau stand, hätte er die Nacht benutzt, um die Ordnungherstellen und den Schießbedarf ergänzen zu lassen, so würde er am fol-genden Tage die Gelegenheit gefunden haben, die erlittene Schlappe wiedergut zu machen. Der Schatten von Trautenau wäre nicht auf die ruhm-volle Geschichte des alten Jorckschen Korps gefallen. Die Nähe der Gardehätte ihn dazu veranlassen sollen. Jedenfalls hätten ihn die Öfterreicherdaran nicht gehindert. Gablenz' Truppen waren durch die Anstrengungenund die schweren Verluste des verflossenen Tages viel zu sehr erschüttert,