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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VI. Die Kämpfe um Deutschlands Einigung

gewähren und frische Kräfte ersparen können. Ein Gefecht mit steilemAbhang und einem nicht überall durchwatbaren Gewässer hinter sich, ist,wenn man nicht gerade, wie es Moltke bei Nisib vorschlug, die Truppendadurch zum Widerstaude zwingen will, schon wegen der geringen Freiheitder Bewegung verderblich. Die Stellung hatte allerdings vorzüglichesSchußfeld vor sich. Die Flügel wurden nördlich durch die Kavallerie-brigade Schindlöcker, südlich durch die Regimenter Erzherzog Karl - undClam-Ulanen gesichert.

Der Erzherzog hatte, Benedeks Absichten entsprechend, bis 2 Uhr nach-mittags abzuwarten und dann den Marsch nach Westen anzutreten. DerFeldzeugmeister erschien aber selbst bei Skalitz und befahl den sofortigenAufbruch. Diesen hielt der Erzherzog wegen der Nähe des Feindes mitRecht für bedenklich. Ohne Kampf kam er nicht mehr davon, und er nahmihn daher an.

General v. Steinmetz befahl der Kolonne Loewenfeld, die über Zlitschhöchst wirksam in die österreichische linke Flanke hätte vorstoßen können,von Studnitz her geradewcgs auf Skalitz zu marschieren. Seine S Bri-gaden mußten sich also vor dieser Stadt begegnen. Die napoleonischeLehre vom Zusammenhalten der Kräfte, mißverständlich angewendet, übtenoch ihren Zauber aus.

Zunächst drangen Loewenfelds Infanterie und die Avantgarde unter demSchutze der bei Kleny in Stellung gebrachten Artillerie in den Eichwald ein,wohin die Österreicher ein Bataillon vorgeschoben hatten. Schnell undmit schwerem Verlust wurde dieses hinausgeworfen. Die Brigade Hoff-mann folgte. Nun stand man eng gedrängt vor der schwer angreifbarenfeindlichen Front. Es war darüber etwas nach Mittag geworden. Abereine unerwartete Lösung trat ein.

Der auf dem linken österreichischen Flügel mit seiner Brigade stehendeGeneral v. Fragnern entschloß sich zum Vorstoß gegen den noch gut ge-deckten, wenig sichtbaren Feind. Dabei gerieten seine Bataillone aus derRichtung, wendeten sich mehr gegen die Eisenbahn als gegen den Eichwaldund brachen bald unter dem preußischen Schnellfeuer zusammen. DieBatterie, die an der Straße SkalitzZlitsch auffahren wollte,wurde inwenigen Minuten zusammengeschossen" und verlor 6 Geschütze. Generalv. Fragnern fiel, die Trümmer der Brigade fluteten nach Skalitz zurück;nur einzelne Abteilungen setzten sich auf Höhe 840 fest.

Nicht genug damit auch Oberst Baron Wöber von der BrigadeKreyßern führte jetzt sein Regiment vor, das unter dem preußischen Feuermit Todesverachtung den vor ihm liegenden Eisenbahndamm überschritt,