Die österreichische Stoßtaktik bei Skalitz
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dann aber durch Salven und Schnellfeuer der rasch sich vor ihm ent-wickelnden preußischen Kompagnien und durch Flankenfeuer vom Gehegeaus zum Stehen gebracht wurde und umkehrte. Seine Verluste warenschwer. Der herbeigeeilte Oberst v. Kreyßern fiel. Ein Vorstoß der ver-folgenden Preußen gegen den Bahnhof wurde jedoch abgewiesen. Loewen-felds und Hoffmanns Infanterie sowie die der Avantgarde waren im Kampfenatürlich arg durcheinander geraten, der Raum vor der österreichischen Frontvon kämpfenden Abteilungen gefüllt. Das Gros — die 10. Division unterGeneral v. Kirchbach — bog deshalb zum Teil nördlich gegen Zlitsch hinaus, um dann links zu schwenken. Zum Teil ging es durch den Eichwaldund die Fasanerie vor. Die Artillerie bei Kleny wurde durch die Mehr-zahl der noch verfügbaren Batterien verstärkt.
Der preußische Gegenangriff schritt nun gewaltsam wie eine herein-brechende Flut vorwärts. Die den rechten Flügel bildende 19. Brigadenahm umfassend die Höhe 840 fort; die 20. Brigade stürmte mit schlagen-den Tambours und fliegenden Fahnen die Front — beim Bahnhof undnördlich davon —, die von den Resten der Brigade Kreyßern verteidigtwurde. Die Österreicher mußten in die Stadt zurück; eine brave Ulanen-schwadron, die, einen Eisenbahndurchzug benutzend, den Angriff aufhaltenwollte, verlor in wenigen Augenblicken 5V Mann.
Auch in die Stadt drangen die preußischen Bataillone nach und machtennoch viele Gefangene; die Artillerie, die beiden reitenden Batterien des5. Korps, die noch nicht zu Schuß gekommen waren, voran, eilten zumVerfolgungsfeuer nach der Höhe östlich Skalitz. Nur die österreichische Bri-gade Schulz, die südlich Skalitz gestanden hatte und dann bei der Fabrikvon Klein-Skalitz über die Aupa zurückgegangen war, hatte wenig gelitten.
Bei Zagezd und Klein-Skalitz hielt General v. Steinmetz die Verfolgungan. Wiederum war ein Korps des Kaiserheeres halb zerstört durch einenVerlust von 205 Offizieren, 5372 Mann — darunter 15 Offiziere, 1287Mann an unverwundeten Gefangenen. General v. Steinmetz bezahlte seinenglänzenden Sieg mit einer Einbuße von nur 62 Offizieren, 1306 Mann.
Ein letzter Augenblick der Schicksalsgunst aber war für Osterreich un-genutzt verstrichen. Als der Feldzeugmeister früh bei Skalitz eintraf, hätteer im Laufe des Tages vier seiner Korps, 6., 8., 4. und 2., zum vernich-tenden Schlage gegen Steinmetz vereinigen können. Allein er erkannteentweder die Lage nicht, oder es fehlte ihm der schnelle entscheidende Ent-schluß, vielleicht auch schon das Vertrauen auf die Truppen.