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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VI. Die Kämpfe um Deutschlands Einigung

Wir wenden uns nun nach der anderen Seite des Kriegstheaters.

Kronprinz Albert war am 27. nicht angegriffen worden. Er erfuhrjedoch das nähere Heranrücken bedeutender preußischer Kräfte und fragtebeim Feldzeugmeister an, ob er mit einem Abmarsch auf Sobotka ein-verstanden sei. Erst am 28. früh kam die Nachricht, daß das großeHauptquartier am 29. in Miletin, am 30. in Gitschin sei, sich also derJser-Armee zuwenden werde.

Inzwischen war jedoch der Abmarsch auf Sobotka und Unter-Bautzen imGange. Bei Münchengrätz standen am rechten Jserufer aber noch dieVorposten der österreichischen Brigade Leiningen . Auf dem nordöstlich derStadt am linken Ufer gelegenen Muskyberge hatte Clam-Gallas 2 Bat-terien und 2 Bataillone der Brigade Piret zurückgelassen.

Das Gefecht von Münchengrätz am 23. Juni 1.866

Prinz Friedrich Karl glaubte noch an die Anwesenheit und den Wider-stand starker feindlicher Kräfte, die er mit der Elbarmee um 9 Uhr frühin der Front, mit der I. nördlich umfassend angreifen wollte. Die 5. Di-vision unter General v. Tümpling sollte sogleich bis Rowensko marschieren,Kavallerie bis Gitschin vorgehen.

Die Elbarmee trieb die österreichischen Vorposten und drei zu ihrer Auf-nahme bestimmte Bataillone bald unter empfindlichen Verlusten durchMünchengrätz auf den dahinter gelegenen Talrand zurück; doch gelang esihnen noch, die Brücke in Brand zu setzen. Als dann der Kanonendonnervom Muskyberg nordöstlich der Stadt herüberschallte, zogen sie sich aufdie vorwärts Fürstenbruck angehaltene Brigade Abele zurück.

Die Batterien Clams hatten mittlerweile die anrückende rechte Flügel-division der I. Armee in der Entwicklung aufgehalten. Als aber Batailloneder 7. Division von Norden her den Muskyberg östlich und westlich zuumfassen begannen, gingen die Österreicher auch von dort zurück. DiePreußen drängten über den Berg nach, brachten 2 Batterien heran, unddie österreichische Brigade erlitt bei ihrem Abmärsche noch den erheblichenVerlust von 20 Offizieren und 1634 Mann, darunter wieder 732 unver-wundete Gefangene. Die Preußen verloren nur 8 Offiziere, 333 Mann.

Die beiden preußischen Armeen bezogen nun, eng versammelt, Lager umMünchengrätz; das 2. Armeekorps kam heran und nahm das seine zwischenMünchengrätz und Turnau ; die 5. Division erreichte Rowensko, die Ka-vallerie fand Gitschin besetzt. Die Annahme, daß der bei Münchengrätz vergeblich gesuchte starke Feind auf Jungbunzlau abgezogen sei, veranlaßte