Druckschrift 
2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
Entstehung
Seite
305
Einzelbild herunterladen
 

Lage der Heere am 28. Juni abends

305

dann noch den Entwurf einer Rechtsschwenkung, und bei der Vorbereitungein Nachtgefecht bei Podkost nordwestlich Sobotka, wo noch Vorposten der Bri-gade Ringelsheim in einer Enge standen, die dabei benutzt werden mußte.

Die Armeen Friedrich Karls und des preußischen Kronprinzen standennunmehr mit rechtwinklig zueinander gestellten Fronten nur 50 Kilometerin der Luftlinie voneinander entfernt. Die Ausführung der Absicht Be-nedeks, erst die eine, dann die andere zu schlagen, wurde immer schwieriger,seine Lage täglich bedenklicher.

Der H. preußischen Armee fehlten allerdings im Augenblick am28. Juni abends noch das 1. Armeekorps, das bei Liebau und Schön-berg stehen geblieben, und das 6., das erst bis Rückerts in der GrafschaftGlatz nachgerückt war. Aber ihrem Herankommen stellte sich kein Hinder-nis mehr entgegen.

Von der österreichischen Hauptarmee befand sich am Abend nur nochdas 4. Korps westlich Skalitz vorwärts der Elbe, das 10. bei Neuschloßam Flusse selbst, alle übrigen Heerteile dahinter bis nach Miletin, wo seitdem 27. das 3. Armeekorps lagerte. Die Bewegung in der Richtung nachWesten war eingeleitet, durch die große Hitze aber erschwert, durch Wagen-züge und Truppenkreuzungen vielfach aufgehalten. Um 6 Uhr nachmit-tags wurden die Befehle für den Marsch an die Jser erlassen. Das 4.und 10. Korps sollten die starke Nachhut der Armee bilden,in ihrenvorgeschobenen Stellungen so lange als möglich ausharren und aus diesennur im äußersten Notfalle weichen". Kronprinz Albert erhielt den Befehl,sich mit der Armee zu vereinigen. Ohne den ersten Gegner geschlagen zuhaben, wollte Benedek sich dem zweiten zuwenden.

Dann kamen die Hiobsposten von Burkersdorf und Skalitz. Sie führtenzum Bewußtsein, daß die Rechnung ohne den Feind gemacht sei, und derPlan fiel. Der Feldzeugmeister entschloß sich schweren Herzens, die Armeein der früher für den ersten Aufmarsch ausersehenen Stellung bei Josef-stadt zu versammeln, doch jetzt schon mit der Hauptfront gegen die II.preußische Armee. Er verzichtete auf die Offensive und ließ es sich ander Defensive genügen.

Der 29. Juni

Am nächsten Morgen wurden die Befehle dazu versendet. Den rechtenFlügel sollten das 2. und 4. Korps mit der 1. Reserve- und der 2. leich-ten Kavalleriedivision bilden und sich bei Salnai nordöstlich Jaromer auf-stellen. Dann folgten, Schurz und Königinhof vor der Front, das 6. und8. mit den 2 andern Reservekavalleriedivisionen. Das 3. sollte bei Mi-

Frhr. v. d. Goltz, Kriegsgeschichte II 20