Lage der Heere am 29. Juni
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bei dem engen Zusammenhalten, das nun schon mehrere Tage andauerte,ernsthaft ins Stocken geraten war. Aber es kam nicht dazu, weil derKönig wiederholt telegraphisch die Erwartung aussprach, daß die I. Armeedurch beschleunigtes Vorgehen die II. entlasten werde, „welche trotz einerReihe siegreicher Gefechte, dennoch sich augenblicklich noch in einer schwie-rigen Lage befindet". Das Vorgehen der ganzen Armee gegen Jung-bunzlau, wo nichts vom Feinde stand, wurde dadurch glücklicherweise ver-hütet, die Richtung auf Gitschin mit starken Kräften eingeschlagen. Die5. Division — Tümpling — sollte von Rowensko, die 3. — Werder — vonZehrow aus dorthin vorgehen, hinter letzterer die 7. Die 8. und 6. solltenam Abend bei Unter- und Oberbautzen bereit stehen, die Elbarmee Jung-bunzlau zu nehmen suchen.
Kronprinz Albert von Sachsen wollte bei Gitschin tatsächlich ernsthaftstandhalten. Die 1. leichte Kavalleriedivision war dahin schon voraus-gegangen. Das 1. österreichische Korps folgte von Sobotka, wo es dieNacht zugebracht hatte, das sächsische von Unter-Bautzen . Beide vereinigtenihre Hauptkräfte um Gitschin . Die aus dem Hauptquartier vorliegendenNachrichten sprachen noch von der Absicht des Feldzeugmeisters nach Git-schin zu kommen. Nachmittags traf dann der Befehl vom Abend des 23.über den Marsch der Hauptarmee nach Westen ein, demzufolge noch am 29.die Vorhut des 3. Korps von Miletin eintreffen konnte. Klarheit fehlte,aber die Notwendigkeit, sich bei Gitschin zu behaupten, schien doch ausallem hervorzugehen. Die gewählte Stellung bildete einen weiten Halb-kreis vorwärts Gitschin von Markt Eisenstadtl, wo die Brigade Piret denrechten Flügel bildete, über den Brada-Berg hinweg, den die BrigadePoschacher hielt, nach Prachow, wo Abele stand und Ober-Lochow—Wohawetz,wo die Brigade Ringelsheim, die Nachhut bildend, auf der Chaussee vonSobotka eintraf. Brigade Leiningen, die Kavallerie und die Reserve-artillerie hielten hinter der Mitte in Reserve. Die sächsische DivisionStieglitz traf 10 Uhr vormittags bei Podhrad ein, die Reiterdivision mit-tags in Ketten. Die Division Schimpfs befand sich im Anmarsch auf Git-schinowes. Ein Angriff wurde an diesem Tage nicht mehr erwartet; einRuhetag war den Truppen dringend nötig. Meldung darüber ging anBenedek ab.
Unerwartet erschien um 3^ Uhr nachmittags die Avantgarde der preu-ßischen Division Tümpling auf der Turnauer Chaussee, entwickelte sich beiKuischnitz gegen die Brigade Poschacher und drang, trotzdem ihr gegen-über sofort eine mächtige Nrtillerielinie am Brada-Berge erschien, das Cid-linatal benutzend, erst in Zames, dann auch in Podulsch ein. Schützen-