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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Entschluß des Kronprinzen von Sachsen zum Rückzug

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Das war freilich weit übertrieben, wirkte aber durch das Zusammentreffenmit jenem Befehl um so mehr.

Der Kronprinz entschloß sich zum Rückzüge. Eisenstadtl sollte durchdie Brigade Piret zur Deckung noch gehalten werden, das sächsische Korpsnach dem Zebin-Berge nordöstlich Gitschin zurückgehen, alles übrige, ein-schließlich der Brigade Ringelsheim dann bis hinter Gitschin folgen. Sotraf mit dem preußischen Angriff der Rückzug der Verbündeten zusammen,sür die es besser gewesen wäre, ihn auf den Einbruch der Dunkelheit zuverschieben. Die Schwierigkeiten, unter denen jener Angriff gelitten hätte,kamen auf diese Weise nicht zur Geltung. Sie bestanden darin, das in-folge des Zusammenhaltens der Kräfte nach der Tiefe im Augenblick nurzwei Divisionen angreifen konnten und beide noch dazu durch den schwerzugänglichen Brada-Berg sowie die Prachower Felsen vollkommen getrenntwaren.

General v. Tümpling drängte lebhaft; Diletz wurde genommen, ein Teilder Besatzung zu Gefangenen gemacht, Kavallerie abgewiesen und endlichauch die Brigade Piret geworfen. Diese war noch vor Eingang des Be-fehls, Eisenstadtl zu halten, von dort wie in der österreichischen Armeeüblich gegen Zames vorgebrochen. Sie scheiterte aber an dem preu-ßischen Feuer, zu dessen Verstärkung General v. Tümpling sein letztesBataillon einsetzte und ging nun sogleich auf Gitschin zurück.

Auch die Brigade Poschacher hatte einen Vorstoß unternommen undKlein-Ginolitz erobert, aber dieser Erfolg erschwerte ihr den befohlenenRückzug, der durch vielfach durchschnittenes Waldgelände führte. Verein-zelte Abteilungen fielen den sofort nachfolgenden Preußen in die Hände.Auch die Höhe des noch schwach besetzten Brada-Berges wurde von diesengenommen. Dann trat im Angriff durch die Verwundung des Divisions-kommandeurs eine Pause ein, bis der nächstälteste General v. Kamienskiherbeigeholt war und ihn wieder in Fluß brachte.

Am Westausgange von Gitschin und in den engen Straßen der Stadtdrängten sich inzwischen die zurückgehenden verbündeten Truppen zusammen.Es konnte bei der Eile nicht an Stockungen und Mißverständnissen fehlen.

Die 3. preußische Division Werder war erst um 5^ Uhr auf dieösterreichische Brigade Ringelsheim gestoßen, die bei Lochow und Woha-wetz stand, rechts neben sich die Brigade Abele. Werders Avantgardesetzte sich schnell in Besitz der St. Anna Kuppe und der Waldrändergegenüber Unter-Lochow. Auch die Batterien gingen dahin vor. Preu-ßische Abteilungen drangen in Unter-Lochow ein. Ober-Lochow aber warso stark besetzt, daß General v. Werder beschloß, mit dem Angriff über