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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VI. Die Kämpfe um Deutschlands Einigung

Die Vorhut der 4. Division nahm gleichzeitig die südlich Sadowa ge-legene Zuckerfabrik, durchwatete den Fluß, besetzte Unter-Dohalitz und folgteden auch dort abziehenden Österreichern bis in die Höhe von Ober-Dohalitz,während die Division selbst die Brücke von Sadowa zum Übergange be-nutzte und sich südlich der Chaussee aufstellte. Rechts daneben besetzte die3. Division Mokrowous und Dohalicka nach kurzem Widerstande. Nun-mehr aber befanden sich die 3 preußischen Divisionen einer mächtigenArtillerielinie gegenüber, welche von den beiden, jetzt in die auserseheneSchlachtlinie zurückgehenden österreichischen Korps dem 3. und 10.auf der Höhe zwischen Lipa und Langenhof entwickelt wurde. Sie ver-stärkte sich bald bis auf 160 Geschütze und hielt die flachen Hänge vorsich derart unter Feuer, daß an ein weiteres Vordringen um so wenigerzu denken war, als die eigene Artillerie es über das Bistritztal hinwegnicht hätte unterstützen können.

Inzwischen war auch die 7. Division seit 7^ Uhr früh gegen das Ge-fechtsfeld im Anmarsch. Bei Benatek erhielt der Führer ihrer Avantgarde,General v. Gordon, die Meldung, daß 4 österreichische Bataillone vonMaslowed her in den nahe südlich gelegenen Bergwald den Swiep-wald eingerückt seien und entschloß sich zum Angriff. Die Divisions-artillerie unterstützte diesen von Benatek her. Der auf den damaligenpreußischen Karten nicht verzeichnete Wald war stark besetzt; es hatten indemselben noch Vorpostenbataillone vom 4. und 3. österreichischen Korpsgestanden. Der Kampf gestaltete sich daher von Beginn an sehr lebhaft.Österreichische Artillerie fuhr bei Maslowed und Cistowes auf, um denAnmarsch der preußischen Bataillone zu beschießen, die trotzdem unauf-haltsam vorgingen, den Wald sogar durchschritten und Cistowes nahmen.Es war das Regiment 27, von seinem Kommandeur, Oberst v. Zychlinski,geführt. Die vorderen Bataillone des Gros folgten, auch der Divisions-Kommandcur, General v. Fransecky, traf auf dem Gefechtsfelde ein.

Die österreichische Brigade Brandenstein vom 4. Korps, die den Kampfhauptsächlich durchführte, ging unter Heranziehung ihrer letzten Bataillonevon Osten her zum Gegenangriff vor, nötigte die preußischen Batterienvorübergehend zum Zurückweichen, brachte den Divisionskommandeur, derschon sein Pferd verloren hatte, einen Augenblick in ernste Gefahr, wurdeaber dann durch das preußische Schnellfeuer abgewiesen. Ihr Führer fielschwer verwundet; die Brigade sammelte sich südlich Maslowed.

Feldmarschalleutnant Graf Festetics, der Führer des 4. Korps, zog nunaber seine gesamte Artillerie heran, so daß 80 Geschütze bei Maslowedund Cistowes ins Feuer gebracht wurden. Er setzte eben einen neuen