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VIII. Der Krieg von 1870/71
bei denen es um S Uhr früh lebendig wurde. Dichte Schützenschwärmelösten sich von dort los und gingen gegen die Höhen vor, auf denenunsere gelichteten Truppen standen. Es war ein Augenblick größterSpannung. Aber sie machten wieder halt; ihre Bestimmung war es ge-wesen, einen Rückzug zu decken. Und dieser Rückzug ging nicht westlichnach Frankreich hinein, sondern nach Metz zurück. Die Gefahren, welchedie Fortsetzung des Marsches zur Maas , im Angesichts der siegreichenDeutschen, für die Armee mit sich gebracht hätte, liegen auf der Hand.Nur zwei Tagesmärsche hätten sich zwischen der abziehenden Armeeund der luxemburgischen Grenze befunden; keine befreundete Truppen-macht kam entgegen, um die Rettung zu erleichtern. Die Schlußszenender gestrigen Schlacht ermutigten nicht zu dem Wagnis. Bei Metz warBazaine zunächst geborgen. In Anlehnung an den großen Platz, zumTeil durch ihn geschützt, konnte die Armee sich gegen die im Augenblickviel zu hoch eingeschätzte Übermacht geraume Zeit behaupten, die kriege-rische, die politische Lage sich wenden. Ersatz an Lebensmitteln, Bewaff-nung und Munition war möglich. Marschall Bazaine blieb überdies seineigener Herr. Er begab sich nicht in die Abhängigkeit vom kaiserlichenHauptquartier, der er soeben entronnen. Mehr bedürfte es nicht, seinenEntschluß reifen zu lassen.
Das Gelände von Amanvillers westlich Metz bot eine verlockende Stel-lung, einen kahlen Bergrücken, der sich ^von Point du Jour östlich Grave-lotte bis nach Roncourt, uahe bei den vielgenannten Steinbrüchen vonJaumont, hinzog. Er war 1^/., deutsche Meilen lang, gerade ausgedehntgenug für die Armee zu kräftiger Verteidigung. Flache freie Hänge fielennach Feindesseite hinab. Im südlichen Teile deckten tiefe Schluchten dieFront. Die Höhe krönten massiv gebaute, sehr verteidigungsfähige Pacht-höfe und Dörfer. Dort angegriffen zu werden, konnte der Marschall nurwünschen, wenn der Feind es wagen sollte. Den linken Flügel schütztedas nahe dahinter gelegene Fort St. Quentin, den rechten einstweilen nochdie Entfernung vom Feinde und das schwierige Gelände an der Orne.Von Metz konnte die Armee keinesfalls getrennt werden, und darauf kamdem Marschall alles an.
Dorthin also rückten die Franzosen ab und stellten sich vom linkenFlügel in der Reihenfolge 2., 3., 4., 6. Korps auf. Hinter dem linkenFlügel erhielten die Garde, 3 Reiterdivisionen und 12 Batterien als all-gemeiner Rückhalt auf der Hochfläche von Plappeville ihren Platz. BeiSt. Ruffine im Moseltale stand die bei Bazaine verbliebene Brigade Lapasset des 5. Korps. Die Märsche waren wiederum sehr mangelhaft