Glänzender Reiterangriff am Abend der Schlacht
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sie. Tief in des Feindes Stellung bis nördlich von Rezonville und weitergegen Gravelotte hin stieß sie vor, die äußerste Verwirrung und zum Teileinen panischen Schrecken bei den überraschten Gegnern verbreitend. Aufund an der großen Chaussee wälzte sich französische Infanterie in derDunkelheit rückwärts. Marschall Canrobert ließ Kavallerie der Garde aufdie Masse einHauen, um sie zum Stehen zu bringen. Marschall Bazainestellte eigene Infanterie quer über die Chaussee, um sie aufzuhalten. Aufallen Seiten erwachte das Feuer im wilden Durcheinander, das den eigenenTruppen wahrscheinlich mehr Schaden tat als den heranbrausenden preußischenReitern. Wenig scheint gefehlt zu haben, um einen allgemeineren Rückzugin Bewegung zu bringen. Dazu wäre es wohl gekommen, wenn nicht10 Schwadronen, sondern eine volle Division oder gar ein Kavalleriekorpsden Stoß mit gleicher Entschlossenheit ausgeführt hätte. Sich nach denverschiedenen Richtungen dahin wendend, wo sie am Feuer einen Gegnererkannte, teilte die Brigade sich und suchte schließlich aus dem Getümmelirgendeinen Ausweg, um sich nach dem glorreichen Ritt in der Nähe vonVionville wieder zu sammeln. Sollte Marschall Bazaine bis dahin nochan einen Abmarsch gedacht, an einen Sieg geglaubt haben, so mußte dieseletzte erschütternde Szene am Ende des langen Kampfes den Entschluß zumVerbleiben bei Metz in seiner Seele vollenden. Die Zeit, an anderes zudenken und Anordnungen zu treffen, war jedenfalls vorübergegangen.Prinz Friedrich Karl hatte seinen Zweck erreicht. Sein Wille war stärkergewesen als der des Gegners.
Um 10 Uhr abends fielen in dichter Finsternis die letzten Schüsse. Vordem Drama von Vionville sank der Vorhang. Die Verluste waren be-greiflicherweise sehr große. Sie betrugen auf preußischer Seite 711 Offi-ziere, 15079 Mann, auf französischer 879 Offiziere und mehr als 16000Mann. Verhältnismäßig wurden die Preußen härter betroffen, denn vonihnen hatten nur 65 000 Mann gegen etwa 120 000 Franzosen wirklichim Kampfe gestanden.
Der ^7. August
(Vergl. Skizze 44)
Voll Erwartung dessen, was da kommen sollte, sahen die Deutschen demMorgen des 17. August entgegen. Prinz Friedrich Karl hatte die Nachtin Gorze zugebracht und ritt im Morgengrauen wieder aufs Schlachtfelddes verflossenen Tages. Die Nacht war ruhig vergangen; aber drüben beiRezonville und Gravelotte sah man ausgedehnte Lagerfeuer der Franzosen ,
Frhr. v. d. Goltz, Kriegsgeschichte II 28