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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Die Stellung vor der Schlacht

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und Point du Jour mit dem Gesicht nach Westen, die deutsche zwischenVaux und Mars-la-Tour gegen Norden gewendet. Die inneren Flügel be-rührten sich fast, die äußeren waren um 20 lim voneinander entfernt. Diebeiden Fronten bildeten beinahe genau einen rechten Winkel. Beide Heerewußten trotzdem wenig voneinander.

Die Ungewißheit blieb auch während der Morgenstunden noch bestehen.

Die H. Armee brach schon um 5 Uhr früh in nördlicher Richtung auf.Mit Rücksicht auf den vermeintlich kurzen Weg bis zum ersten Zusammenstoßemit dem Feinde sollte sie nicht in Marschkolonnen, sondern in Divisions-massen vormarschieren. Dabei kam es sogleich zu Stockungen. Nach demBefehle vom Tage zuvor hatten die Sachsen bei Mars-la-Tour, die Gardenetwas rechts dahinter bei Puxieux lagern sollen. (Vergl. Skizze 43.) DieGarden hatten in Wirklichkeit aber einen Platz mehr nach Westen hin, alsoetwas links von den Sachsen gewählt, ohne daß dies bei der Ausgabe derBefehle des Oberkommandos klar und berücksichtigt wurde. Nach der älterenAnordnung war den Sachsen beim Vormarsche der äußerste linke Flügel,den Garden der Weg zu ihrer Rechten zugewiesen worden. Beide kreuztensich daher bei Mars-la-Tour. Da die sächsische Vorhut den Ort nichtin Masse umging, sondern in Marschkolonnen durchzog, so mußte die Gardehalten, bis jene hindurch war. Der Aufenthalt brachte jedoch keinen Nach-teil mit sich; denn die Garde kam hinterdrein zum Angriff eher zu frühals zu spät. Alle Schlüsse und Vermutungen, die später an den Vor-gang geknüpft wurden, und die zum Teil dem Prinzen Friedrich KarlBeweggründe beilegten, die seiner Seele völlig fern lagen, sind hinfällig.

Der Prinz war noch zweifelhaft, ob der Feind vor Metz stehe oder nachNordwesten abmarschiere. Das letztere hielt er für richtiger und daherwahrscheinlicher. Er wollte zunächst die Straße über Jarny erreichen,mittags ruhen, und dann in der Hoffnung, bis dahin klar zu sehen, dasWeitere unternehmen.

Im königlichen Hauptquartier, das in der Frühe bei Flavigny eintraf,gewann man bald die Ansicht, daß der Feind auf dem Höhenrücken vorMetz stünde und daß seine Aufstellung bis nach Amanvillers hinauf reiche.Vorübergehend entstanden freilich noch Zweifel.Die auf der Höhe gegenMetz sichtbaren Truppen scheinen sich nördlich, also wohl gegen Briey zubewegen", wurde der II. Armee mitgeteilt. Um 10^/, Uhr vormittagsjedoch stand das Bild anscheinend fest:Nach den eingehenden Meldungendarf angenommen werden, daß der Feind sich auf dem Plateau zwischenPoint du Jour und Montigny-la-Grange behaupten will." Wie diese be-stimmte Vorstellung von der Ausdehnung der feindlichen Schlachtlinie ent-