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VIII. Der Krieg von 1870/71
lichen Vorteile der feindlichen Stellung in Anschlag zu bringen. IhreVerluste beliefen sich auf 899 Offiziere, 19 260 Mann, während die Fran-zosen den ihren auf 11678 Mann angaben, darunter 2500 Gefangene.
Dennoch war der Erfolg bedeutender, als es im Augenblick erschien.Die drei größten, durch je einen Tag der Ruhe getrennten Schlachtenhatten die französische Rheinarmee nach Metz hineingeworfen. Rund50 000 Mann waren verloren gegangen, aber das stärkste Heer des Geg-ners lag gefesselt im Banne der Festungskanonen. Bazaine hatte seinemKorps neue Lager unter dem Schutze der Forts anweisen lassen.
Der 59. August ^370
Der strategisch denkwürdigste Tag des Feldzuges folgte. Bazaine wargeschlagen, aber seine Armee nicht vernichtet und vorläufig für die Deut-schen unangreifbar. Auch ein tüchtiger Heerführer konnte zweifelhaft sein,was geschehen solle. Moltke zögerte nicht, sich sofort für das höchste er-reichbare Ziel zu entscheiden, als Prinz Friedrich Karl in Rezonville er-schien und dem Könige über den Ausgang der Schlacht auf dem linkenFlügel meldete. Er bereitete die vollständige Überwindung der Rheinarmeevor, zog aber zugleich schon jetzt alle Folgerungen aus den errungenenSiegen.
Metz sollte ursprünglich nicht belagert, sondern nur beobachtet werden.Die hierzu bestimmte 3. Reservedivision war schon im Anmarsch. Siezählte 18 Bataillone, 16 Eskadrons und 36 Geschütze. Das genügte jetztnatürlich nicht. Armee und Festung mußten durch starke Kräfte weiterüberwacht und zu Falle gebracht werden. Prinz Friedrich Karl übernahmdiese Aufgabe mit dem 2., 3., 9. und 10. Korps der eigenen, und dem1., 7., 8. Korps der I. Armee, der 3. Reservedivision, der 1. und 3. Ka-valleriedivision. Das Garde-, 4. und 12. Korps nebst der 5. und 6. Ka-valleriedivision, die aus dem bisherigen Verbände der II. Armee schieden,wendeten sich unter dem Kronprinzen von Sachsen gegen Westen, um,mit der HI. Armee vereint, das bei CHS-lons sich bildende neue großefranzösische Heer Mac Mahons zu schlagen und dann weiter auf Paris vorzugehen.
Schon um 11 Uhr vormittags ergingen die nötigen Befehle. Wohlnoch nie sind so große Entschlüsse ähnlich schnell gefaßt und so weit aus-greifende Anordnungen in gleich kurzer Zeit getroffen worden. Sie wur-den der neuen Kriegslage, die dem Blicke des gewöhnlichen Sterblichenungewiß und verschleiert erschien, mit voller Sicherheit gerecht.
Prinz Friedrich Karl dehnte den ihm gewordenen Auftrag, trotz manchen