Entscheidung auf dem linken deutschen Flügel
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8 Uhr abends ward er endlich von allen Seiten bestürmt und genommen.2000 Verwundete fielen dabei den Siegern in die Hände.
Marschall Canrobert zog ins Moseltal hinab. Endlich erschien, ver-spätet, die von ihm erbetene Verstärkung, die Gardegrenadierdivision unddie Armeeartilleriereserve. Sie konnten das Schicksal der Schlacht in-dessen nicht mehr wenden. Auch beim 4. Armeekorps hatte der Rückzugschon begonnen. Amanvillers blieb freilich die Nacht hindurch noch besetzt.
Auch auf dem rechten Flügel war es noch zu einem letzten heftigenGefechtsakte gekommen. Das 2. Armeekorps war um 2 Uhr früh des18. August von Pont-ii-Mousson aufgebrochen und erreichte am Abend,nach einem Marsche von etwa 40 kra, über Buzieres und Nezonvillemarschierend, Gravelotte. Die Pommern wünschten noch heute an denFeind zu kommen. „Es wäre richtiger gewesen, wenn der zur Stelleanwesende Chef des Generalstabes der Armee — so hat Moltke selbst ge-schrieben — dies Vorgehen in so später Abendstunde nicht gewährt hätte.Eine völlig intakte Kerntruppe konnte am folgenden Tage sehr erwünschtsein, an diesem Abend aber hier kaum noch einen entscheidenden Umschwungherbeiführen."
Die Nachricht vom Erfolge des linken Flügels war noch nicht da. Esschien, als sollte die große Schlacht, in die man mit sicherer Hoffnung aufeinen verhältnismäßig leichten Sieg eingetreten war, am Ende unentschie-den bleiben; der König aber wollte sie erfolgreich beendet sehen. Das Korpsging jubelnd durch die Enge von St. Hubert vor und kam auch noch einwenig über die schon genommenen Stellungen hinaus. Dann ließ dasDunkel Feind und Freund nicht mehr unterscheiden. Um 10 Uhr abendserlosch das Feuer. Den Feind aus seinen Stellungen zu werfen, gelangnicht. Er räumte sie erst am Morgen des 19. August um 5 Uhr, nach-dem das rechts danebenstehende 3. Korps schon um 3 Uhr damit be-gonnen hatte.
Auf den König aber hatte das frische Vordringen der Truppen einenerhebenden Eindruck gemacht. In erhöhter Zuversicht ritt er nach Nezon-ville zurück, wo am nächsten Morgen Prinz Friedrich Karl mit der Nach-richt vom Erfolge des linken Flügels eintraf.
Die Schlacht hatte sich weit ernster gestaltet, als man es vorher er-wartete. Die genaue Stärke der deutschen Armeekorps, die mitfochten,hatte 178 818 Manu betragen. Die Gesamtzahl der bei Metz vereinigtenFranzosen war dieser Zahl gleich. Bazaine setzte freilich nicht alleseine Truppen ein; dennoch erklärt sich aus dem Vergleiche schon derschwere Stand, den die Deutschen gehabt hatten, auch ohne die ungewöhn-