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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VIII. Der Krieg von 1870/71

Unter mörderischem Feuer stiegen die Bataillone die Hänge hinan, welchesich wie das Glacis einer Festung allmählich gegen Ste. Marie, St. Ailund Habonville hinabsenkten. Nur an wenig Stellen gewährten ganz flacheWellen in den Feldern unzureichenden Schutz gegen die auf den hartenBoden aufschlagenden und weiterspritzenden Geschosse des Feindes. DieFernwirkung konnte hier durch den Verteidiger so günstig ausgenutzt wer-den, wie es im Feldkriege selten der Fall sein wird. Die Verluste wuchsenschnell in erschreckender Art.

Mit dem näheren Herankommen erkannte man immer deutlicher die volleStärke der Stellung, die in Eile, aber mit der Geschicklichkeit zur Vertei-digung eingerichtet worden war, welche die Franzosen in dem ganzen Feld-zuge an den Tag legten. Sie hatten alle Mauern mit Schießschartenversehen, die Höhenlinien mit Schützengräben gekrönt.

Die Artillerie der Garde bekämpfte bisher die im Feuer auftretendenfranzösischen Batterien. Das Dorf St. Privat und seine Besatzung hattendurch sie noch nicht gelitten. Mit frischen Kräften lagen die Schützenin ihren trefflichen Deckungen und entsandten ihren Geschoßhagel un-behindert in die über das Feld heranstürmenden deutschen Schwärme.Der gesamte Angriff traf zudem noch auf die Front des 4. und 6. fran-zösischen Korps. Er konnte nicht glücken und kam, 6800 Schritt vonAmanvillers und St. Privat entfernt, zum Stehen.

Kronprinz Albert von Sachsen hatte inzwischen erkannt was sichden Blicken des Prinzen Friedrich Karl im Gelände entzog, daß sichdie französische Linie noch weiter, nämlich bis Roncourt hin, erstrecke. Erholte daher noch weiter als die Garde aus und sammelte sein Korps süd-östlich von Auboue. Seine Artillerie griff in den Kampf ein und nahmRoncourt unter Feuer. Gegen 7 Uhr konnten auch 2 Brigaden schoneingesetzt werden.

Marschall Canrobert hatte die Absicht der Angreifer richtig erkannt undden Oberbefehlshaber um Verstärkung für seinen rechten Flügel gebetenaber diese kam nicht. So beschloß er, seine Kräfte näher um St. Privat herum zu versammeln, Roncourt zu räumen und, zum Schutze der rechtenFlanke, nur den Rand des Waldes von Jaumont zu halten.

Die Sachsen fanden daher in Roncourt keinen starken Widerstand mehr,nahmen das Dorf und wandten sich nun von Norden her gegen St. Privat .So ward endlich die französische Linie doch noch umfaßt. Zugleich hattedie Gardeartillerie jetzt ihr Feuer auf St. Privat gerichtet. Gar baldließ auch der Geschoßregen von dorther nach. Als dann noch die sächsi-schen Batterien in den Ort hineinfeuerten, stand er in Flammen. Um