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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Vormarsch der III. und Maas-Armee »ach Westen

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Die Festung Toul , auf die am 16. August von der Vorhut des 4. Korpsein vergeblicher Sturmversuch gemacht worden war, wurde durch preußischeund bayerische Abteilungen beobachtet; bei Verdun geschah das gleiche zu-nächst durch die Sachsen.

Wenden wir uns jetzt der französischen Armee von ClMons zu. Sie sammeltesich seit der Mitte des August in dem berühmten dortigen Übungslager, dessenTreiben noch vor wenig Jahren als mustergültig für die militärische WeltEuropas galt. Es gehörten ihr das 1., 5., 7. und das zum Teil aus vortrefflichenTruppen neugebildete 12. Korps sowie die Kavalleriedivisionen Bonnemainsund Margueritte an. Sie mag an 130 000 Mann mit 420 Geschützen starkgewesen sein. Der Zahl nach war sie also ansehnlich genug. Der innereWert aber stand nicht auf gleicher Höhe. Die Niederlagen an der Grenze,die großen Verluste, der eilige Rückmarsch, vielfach bei schlechtem Wetterausgeführt, die allgemein herrschende gedrückte Stimmung hatten schon er-schütternd auf sie gewirkt, die Mannszucht ins Wanken gebracht. Mobil-garderegimenter mußten wegen ihrer mangelhaften Haltung aus dem Lagerzurückgeschickt werden. Einige Tage der Ruhe und Arbeit wären nötiggewesen, um ihr in Mac Mahons bewährter Hand einige Festigkeit wieder-zugeben. Der Marschall verlegte die Armee am 25. August nach Reims zurück. Von dort waren auch die beiden Richtungen, zwischen denen manschwankte, ohne Umweg einzuschlagen. Die Forderung der Pariser Regent-schaft, Bazaine entgegenzumarschieren, lehnte er zunächst ab und erklärte,sich auf den Schutz von Paris beschränken zu wollen.

Als aber Bazaine am Tage nach der Schlacht vom 18. August die Nach-richt gab, er rechne noch immer darauf, sich längs der Nordgrenze überMontmedy nach CkMons durchzuschlagen, da machte sich noch ein andererBeweggrund geltend. Der Marsch konnte schon in der Ausführung be-griffen sein, und Mac Mahon durfte die Waffengefährten nicht im Stichelassen. Eine von Bazaine am 20. nach Paris beförderte Depesche, diedessen Entschluß viel zweifelhafter erscheinen ließ, wurde ihm vorent-halten. Am 23. August rückte er daher nicht auf Paris , sondern gegenMontmedy ab und erreichte bei strömendem Regen die Suippe. In dieserRichtung war aber nicht für die Ankömmlinge vorgesorgt; zwei Korpsblieben ganz ohne Verpflegung.

Da auch auf den 23. die erste gemeinsame Bewegung der beiden deut-schen, 184000 Mann mit 800 Geschützen zählenden Heere fiel, so begannein spannender Wettlauf,das leidenschaftlichste und strategisch spannendsteDrama des ganzen Krieges".

Bis zum 25. August setzten die Deutschen noch den konzentrischen Vor-