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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VIII. Der Krieg von 1870/71

marsch auf ClMons fort. Mac Mahon marschierte weiter nach Nordostenüber Rethel , wo er Lebensmittel fand, um den freien Raum zwischen denDeutschen und der Nordgrenze zu gewinnen. In diesem wollte er sichnach Osten, Bazaine entgegen, wenden. Am 25. August stand er in derrechten Flanke der Deutschen bei Vouziers, Attigny und Rethel an derAisne. Die Deutschen erreichten mit der Maasarmee die obere Aire undAisne . Die HI. Armee gelangte in den Raum zwischen der Maasarmeeund der Marne bei St. Dizier. Sie hatten den Blick noch auf Chalons gerichtet, wo tags zuvor ihre Kavallerie, der sich die kleine Festung Vitryergab, das Lager schon verlassen gesunden. Die beiden feindlichen Heerewaren augenblicklich fast auf gleicher Höhe miteinander, in entgegengesetztenRichtungen marschierend, aber nur wenig voneinander unterrichtet.

Der Abend des 24. und der 25. brachten den Deutschen im großenHauptquartier zu Bar-le-Duc merkwürdige Nachrichten. Das aufgefangeneSchreiben eines hohen französischen Offiziers aus Metz sprach von Entsatzder Festung. Ein aus Paris über London eingehendes Telegramm be-sagte, daß Mac Mahon bei Reims stünde und die Vereinigung mit Bazainesuche. So schwer es auch ist, einen einmal gefaßten Plan zu ändern, woes sich um große Heeresmassen handelt, war Moltke doch entschlossen, denAnzeichen zu folgen, welche darauf hindeuteten, daß sein Gegner dasUnwahrscheinliche tun wolle. Die Armeen erhielten 11 Uhr vormittagseine etwas mehr nordwestliche Richtung. Dann folgten Bestätigungen überMac Mahons Marsch zur Vereinigung mit Bazaine . Die französischePresse leistete ihrem Lande in dieser Krise recht schlechte Dienste, eineWarnung für die unsere in künftigen Zeiten. Ein Blatt verkündete,keinfranzösischer General könne seinen Gefährten im Stiche lassen, ohne demFluche des Vaterlandes zu verfallen". Andere brachten Parlamentsreden,die es als eine Schmach für das französische Volk bezeichneten, wenn dieRheinarmee ohne Unterstützung bleiben sollte. Ein zweites Telegrammaus London teilte mit, daß Mac Mahon plötzlich den Entschluß gefaßthabe, Bazaine zu Hilfe zu eilen.

Am 25. abends 11 Uhr erhielt die Maasarmee daher Befehl, sich zumNechtsabmarsche auf Varenues bereitzustellen und ihn anzutreten, sobalddie Meldungen der auf Vouziers vorgetriebenen Kavallerie die Vermu-tungen über Mac Mahons Vorgehen auf Metz bestätigten. Die beiden baye-rischen Korps der III. Armee sollten bereit sein, der Bewegung zu folgen,die preußischen durften am Vormittage noch die Bewegung gegen Nord-westen fortsetzen, was ohnedies nützlich war, um Raum für die Rechts-schwenkung zu gewinnen.