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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VIII. Der Krieg von 1870/71

griff gegen die französische Aufnahmestellung. Längs des hohen, schmalenund waldigen Bergrückens, den das Bois de Givodeau krönt, entspannsich nun noch, von 5 Uhr nachmittags ab, ein heftiger Kampf, den haupt-sächlich das 4. preußische Korps durchführte, in den aber, so weit es derenge Raum erlaubte, rechts die Sachsen, links die Bayern eingriffen.Mehrfach mußte der französische Widerstand gewaltsam gebrochen werden,bis es endlich gelang, das Maastal zu erreichen und die Gegner unterschweren Verlusten in dasselbe hinabzuwerfen. Eine glänzende Attackedes S. französischen Kürassierregiments, das seinen bedrängten KameradenLuft schaffen wollte, zerschellte an der Standhaftigkeit der preußischenInfanterie. Mit einbrechender Dunkelheit hörte der Kampf südlich derMaas auf. Die Preußen drangen noch in die dort liegende Vorstadt vonMouzon ein. Die auf einer Insel gelegene Stadt selbst behaupteten dieFranzosen. Nach eigener Angabe hatten diese 1800 Tote und Verwun-dete wahrscheinlich jedoch erheblich mehr verloren. 42 Geschütze, viel Kriegs-gerät und an 2500 unverwundete Gefangene blieben in deutscher Gewalt.De Failly hatte eine empfindliche Niederlage erlitten. Die Sieger bezahltenihren Erfolg mit einer Einbuße von 145 Offizieren, 3384 Mann.

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Die Nacht vom 31. August brachte die Maasarmee an der Straße vonBeaumont nach Mouzon , die III. Armee zwischen Raucourt und Som-mauthe zu. König Wilhelm, der auf dem Schlachtfelde erschienen war,ging dann nach Buzanzy zurück, da alle näheren Orte von Verwundetenund Kranken überfüllt waren.

Mac Mahon hatte noch während der Schlacht von Beaumont die Ver-sammlung seiner Armee um Sedan befohlen. Er wollte keine neue Ent-scheidung mehr suchen; dazu waren die Verhältnisse seiner Truppen nichtmehr angetan. Aber er gedachte seinen erschöpften Mannschaften dort einekurze Rast zu gewähren, sie mit Lebensmitteln und Schießbedarf zu ver-sehen und dann den Abmarsch aus Mezieres anzutreten, wohin GeneralVinoy gerade mit dem neugebildeten 13. Korps unterwegs war. Es wardas beste, was ein besonnener Feldherr in seiner Lage tun konnte.

Obwohl die Maas eine unmittelbare Verfolgung ausschloß, sammeltesich die Armee dennoch in großer Auflösung während des Abends, derfolgenden Nacht und am 31. in und bei Sedan. Der Kaiser traf vonCarignan her ein, der kleine Platz wurde unvermutet zum Stützpunkteeiner großen Heeresversammlung. Mangel an Ruhe und Verpflegunghatten die Truppen geschwächt, ein vielfaches unnützes Hin und Her von