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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Bazaines erstes Ausrücken aus Mep

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Wenn man ihn aber nachmals des Verrats beschuldigte, so geschahdieses wohl, weil die nationale Eitelkeit der Franzosen durchaus eines.Verräters" bedarf, um erklärlich zu machen, daß sie unterliegen konnten."

Im preußischen Hauptquartier vor Metz hielt man die französischenPläne nur für aufgeschoben, nicht für aufgehoben. Mac Mahons An-näherung war bekannt geworden und der Befehl eingetroffen, das 2. und3. Korps auf Damvillers abrücken zu lassen, um ihm an der Maas denWeg zu verlegen. Dadurch wurde im Augenblick die Einschließungs-armee vor Metz schwächer an Zahl als die Eingeschlossenen in Metz. Dienächsten Tage schienen eine große Gefahr zn bergen, denn es wurde an-genommen, daß die beiden französischen Feldherren mehr voneinander undvon ihren Absichten wüßten, als es tatsächlich der Fall war.

Die Schlacht von Noisseville am 31^. August und ^. September ^870

(S. Skizze 48)

Am 31. August meldeten die preußischen Vorposten neue Bewegungenbei den Franzosen , die ganz ähnlich verliefen wie am 26. Wieder zogensie vom linken nach dem rechten Moselufer hinüber. Bazaine hatte denAufmarsch auf der Nordwestseite der Festung zwischen der großen Straßenach Saarbrücken und der Mosel befohlen. Dort sammelten sich, vomrechten Flügel gezählt, das 3., 4. und 6. Korps in erster Linie. Das 2.und die Garde stellten sich dahinter auf. Nur eine Division wurde süd-östlich gegen Mercy-le-Haut vorgeschoben. Die Artillerie und Kavallerie-reserven folgten, der Troß wartete auf der Moselinsel Chambiere. Wiederstand um die Mittagszeit das Heer auf engem Raume vereint. Diesmalsollte es nicht bloß zum Geplänkel, wie 5 Tage vorher, sondern zum ernstenKampfe kommen.

Gegenüber standen in dem 12 1cm langen Teile der Einschließungslinievon Malroy bis zur hochgelegenen Brasserie von Noisseville zunächst nurdie 3. Reservedivision und 3 Brigaden des 1. Armeekorps, also verhältnis-mäßig recht geringe Kräfte. Schon früh um 7 Uhr waren auf dem linkenFlügel dieser Linie die preußischen Vorposten von den Franzosen zurück-gedrängt worden, es wurde indessen bald erkannt, daß es sich dabei nurum die Absicht einer Täuschung handle, und demgemäß der wirkliche Durch-bruchsversuch gegen Norden hin erwartet. Dann wurden auch die auf-marschierten Truppen bei Fort St. Julien gesichtet. Vom Talrande deslinken Moselufers hatten die preußischen Beobachter einen guten Einblickin alles, was auf der gegenüberliegenden Seite geschah.