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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Kämpfe um Servigny und Noisseville

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Am 1. September früh standen alle Kämpfer wieder unter den Waffen.Ein dichter Morgennebel bedeckte das Gelände. Marschall Bazaine befahlerneut die Wegnahme von St. Barbe; ohne diese war der Durchbruchund Abmarsch nach Norden allerdings unmöglich. Aber sein Wille scheintnicht mehr besonders fest gewesen zu sein, denn er fügte dem Befehle hin-zu:Anderenfalls werden wir die eigene Stellung behaupten." Damitkann nur die Rückkehr unter den Schutz der Forts von Metz gemeint sein.

Um dem weiteren Vorgehen der Franzosen in der linken Flanke derHauptstellung Manteuffels Halt zu gebieten, entwickelte sich am frühenMorgen die 3. Brigade an der Straße nach Saarlouis . Die 2. Brigadegriff von Serviguy her ein. Zunächst wurde Noisseville von ihr ange-griffen und genommen, aber wieder verloren. Als die 3. Brigade heran-kam, war dies schon geschehen. Bei Montoy und Flanville tauchten starkefranzösische Kräfte auf. Unter diesen Umständen nahm sie von der Wie-dereroberung von Noisseville zunächst Abstand und verblieb abwartend beiRetonfay. Inzwischen erschien von Courcelles her die tags zuvor dort ein-getroffene 28. Brigade vom 7. Korps auf dem Gefechtsfelde. Vor einemvon ihr äußerst geschickt eingeleiteten Angriff gegen Flanville wich der fran-zösische rechte Flügel zurück. Es gelang, 114 preußische Geschütze von denbenachbarten Truppen zusammenzubringen, die ihn von nun ab bis zumEnde in Schach hielten. Marschall Leboeuf, der dort befehligte, glaubtesogar, trotzdem er noch über 2 frische Divisionen verfügte, schon am Vor-mittag den Rückzug antreten zu müssen und erstattete seine Meldung dar-über an Bazaine . Nunmehr ging die 3. preußische Brigade erneut vorund eroberte Noisseville schnell zurück.

Auf der nördlichen Angriffsfront, wo Canrobert auf den Erfolg desrechten Flügels wartete, kam es zu verhältnismäßig lebhafter Kanonadeund neuen, aber weniger lebhaften Angriffen auf Failly, die von der frischeingetroffenen 18. Division abgewiesen wurden. Dann wichen auch hierdie Franzosen zurück, und Leboeufs Meldung tat das übrige. MarschallBazaine gab den Befehl zum Abbrechen des Gefechtes auf allen Punktender Schlachtlinie.

Zum ersten Male waren in dieser Schlacht die Franzosen die Angreifer,die Preußen die Verteidiger gewesen. Trotzdem war der preußische Ver-lust fast ebenso groß wie der französische. Er betrug 128 Offiziere,2850 Mann, während der der Franzosen sich auf 3397 Tote und Ver-wundete belief. Dieses merkwürdige Verhältnis erklärt sich leicht aus derÜberlegenheit des französischen Jnfanteriegewehrs, aber auch die Minder-zahl der Verteidiger kommt darin zur Geltung. Nur durch kühnen Gegen-

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