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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VIII. Der Krieg von 1870/71

angriff hatten sie am ersten Tage vermocht, mit 36 000 Mann eineinFeinde gegenüber standzuhalten, der ihnen 137 000 Mann, also mehr wiedas dreifache auf dem Schlachtfelde gegenüberstellte. Entscheidend hatte diepreußische Artillerie mitgewirkt. Sie war es hauptsächlich gewesen, die denzähen Widerstand des General v. Manteuffel möglich machte. Am Nach-mittag begann der Rückzug der Franzosen unter die Kanonen des Platzes.An demselben Tage und zur selben Stunde, wo sich die Vernichtung deseinen französischen Heeres bei Sedan vollzog, kehrte das andere in nun-mehr ziemlich hoffnungslose Gefaugenhaltung nach Metz zurück. Entschie-den war ohne Zweifel schon jetzt nach zweimonatlicher Dauer der Feld-zug, wenn zwar keineswegs beendet." So äußert sich Moltke über dasEnde der Schlacht von Noisseville.

Dem französischen Angriff hatte das Gepräge vollen Ernstes gefehlt.Eine verzweifelte Anstrengung zur Selbstbefreiung war weder von Führern,noch von Soldaten gemacht worden. Den günstigen Augenblick, ihr Schick-sal zu wenden, hatten sie damit versäumt. Die Zweifel, die BazainesSeele beherrschten, spiegeln sich im Verhalten seiner Truppen wieder.

Immerhin hatte sich die größere Gefahr eines Durchbruchs der Fran-zosen am rechten Moselufer kundgegeben, und Prinz Friedrich Karl ver-legte dauernd das ganze 7. Armeekorps dorthin. Auch rückte auf derselbenSeite das ueugebildete 13. deutsche Armeekorps unter dem Großherzog vonMecklenburg-Schwerin heran. Das 2. und 3. Korps trasen wieder beider Einschließungsarmee ein. Das Schicksal der Armee Bazaines warbesiegelt.

Die kriegerischen Ereignisse zur See

(S. Skizze 49)

Zur See war Frankreich Deutschland weit überlegen. Seine Flotte zählteallein an Panzerschiffen 13 Fregatten, 9 Korvetten, 7 Küstenfahrzeuge,17 schwimmende Batterien. Diese ermangelten freilich der nötigen See-fähigkeit für die Ost- und Nordsee. Die nichtgepanzerte Flotte zählte24 Fregatten, 19 Korvetten und 15 Avisos. Ein Teil davon war aller-dings veraltet und für einen ernsten Kampf nicht mehr zu rechnen. DieTransportflotte bestand aus nahezu 100 größeren Dampfern. An Marine-truppen befanden sich im Mutterlande rund 10 000 Mann mit 120 Ge-schützen. Das Ganze bildete eine recht ansehnliche Macht, der Deutschland nichts Ähnliches entgegenzustellen hatte.

Indessen ließ ihre Bereitschaft viel zu wünschen übrig. Dieser Umstandwog um so schwerer, als Landungsexpeditionen gerade zu Beginn eines