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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Die beiderseitigen Seestreitkräste

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Krieges die meiste Aussicht auf Erfolg haben. War in Deutschland dieMobilmachung einmal vollendet, so blieben, auch nach dem Abrücken derFeldarmee an die Grenze, noch Truppen genug im Lande, um Angriffeauf die Küsten zurückzuweisen. Nur wenn eine befreundete und Deutsch-land benachbarte Macht, hier also am ehesten Dänemark , die Landungunterstützte, konnte auch später wohl noch etwas erreicht werden.

Anfangs bestand denn auch in Frankreich der Plan, aus den Marine-truppen 2 Brigaden mit 8 Batterien, 2 Kavallerieregimentern zu bilden,und sie unter dem Schutze der Flotte an den deutschen Gestaden zu landen,um von dort aus die Kriegsvorbereitungen im Innern zu stören. Aberschon nach den Schlachten von Wörth und Spicheren wurden alle solcheAbsichten aufgegeben und die Marinetruppen zur Verstärkung der Feld-armee herangezogen. Der günstige Augenblick war damit ungenützt ver-strichen.

Alles, was der Norddeutsche Bund an modernen gepanzerten Kriegs-fahrzeugen besaß, waren die 3 PanzerfregattenKönig Wilhelm",Kron-prinz" undFriedrich Karl" sowie zwei kleinere SchiffeArminius " undPrinz Adalbert". Die nichtgepanzerte Flotte setzte sich aus einem Linien-schulschiff, 5 gedeckten und 4 Glattdeckkorvetten, 3 Avisos und 8 Kanonen-booten I., 14 II. Klasse zusammen. Bei dem überraschenden Kriegsaus-bruch waren indes auch diese wenig zahlreichen Fahrzeuge nicht sämtlichverfügbar. 3 Korvetten kreuzten im Auslande, 4 andere lagen im Dock,und an Marineinfanterie war nur ein Seebataillon vorhanden, dem sichein Reservebataillon zugesellte.

Unter diesen Umständen konnte Deutschland nicht daran denken, demGegner auf offner See entgegenzugehen. Von Hause aus mußte es sichdarauf beschränken, die eigenen Küsten und Seehäfen zu schützen. Es glückte,die Panzerflotte, die gerade an der englischen Küste übte, noch rechtzeitigzurückzurufen. Am 16. Juli lag sie in der Jade; doch hattenKönig Wil-helm" undFriedrich Karl" durch Beschädigungen an Geschwindigkeit ein-gebüßt. Andere Kriegsfahrzeuge wurden aus der Ostsee nach der Nordsee herangezogen und dort 4 Panzer und 8 Kanonenboote zu einem jeder-zeit zum Auslaufen bereiten Geschwader im Jadebusen vereint. Bei Cux-haven lag außerdem der PanzerPrinz Adalbert" nebst 4 Kanonenbootenund einigen Torpedobooten, um durch Kreuzfahrten vor der Elbmündungden Feind zu beobachten und im gegebenen Augenblick mit dem Jade-geschwader gemeinsam zu handeln. 2 schnelle Handelsdampfer besorgtendie Aufklärung in größerer Entfernung. Das Ganze kommandierte Vize-admiral Jachmann. Die Küstenbefestigungen waren beim Ausbruch des