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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VIII. Der Krieg von 1870/71

Die Nachrichten von der Stärke des Gegners wurden im Lande weitübertrieben; klar war es aber bereits, daß man sich einer allgemeinenVolkserhebung gegenüber befand, und wichtige Überraschungen bevorstehenkonnten. Am 10. Oktober stieß die Vorhut nördlich von Artenay bereitsauf den Feind, griff ihn an, warf ihn zurück und nahm den Ort. Generalde la Motterouge war nämlich gleichfalls in Bewegung und hatte denVormarsch gegen Paris antreten wollen. Seine Vorhut war es gewesen,die den Deutschen begegnete. Da er diese herankommen sah, wich er selbstmit seinen Truppen zurück, die in dem unbedeutenden Gefecht 4 Geschützeund 350 Gefangene verloren hatten. Er wollte das 15. Korps hinter dieLoire zurückziehen, aber eine starke Nachhut zum Schutz des Stromüber-ganges in dem unübersichtlichen Gelände nördlich Orleans belassen. Dortfand er günstigere Bedingungen für den Kampf als in der völlig freienund übersichtlichen Umgebung von Artenay, wo die überlegene Manövrier-fähigkeit der Deutschen zur Geltung kommen mußte.

General v. d. Tann setzte den Vormarsch natürlich ohne Zögern fort,und so kam es zum:

Treffen von Orleans am N- Oktober 1.370

Die Gefechtslinie von Saran an der großen Pariser Straße bis nachOrmes an der Chaussee nach Chateaudun war von den Franzosen ver-schanzt und durch Batterien verstärkt. Gegen diese rückte von deutscherSeite die 22. Division heran. Obwohl sie nur noch 6000 Mann zählte,griff sie doch sogleich mit voller Frische Ormes in Front und Flanken an,brachte den Feind zum Weichen und drang in mehrstündigem Gefecht bisdicht an die Vorstadt St. Jean vorwärts Orleans vor. 800 Gefangenewaren in ihrer Gewalt geblieben. Die Ortschaften, Gärten, Weinberge,welche die Division auf dem Weg nach Orleans passierte, hatten das Vor-wärtskommen erheblich erschwert und einen Beweis davon gegeben, wiehartnäckig sich ein entschlossener Feind in dieser dicht bebauten und be-bedeckten Gegend zu widersetzen vermochte, auch wenn er nur über jungeTruppen verfügte.

An der großen Pariser Straße waren die Bayern bei Saran ebenfallsauf lebhaften Widerstand gestoßen, auch sie drangen unaufhaltsam vor,trafen aber erst um 4^ Uhr nachmittags bei Les Aides ein. Dort hieltsich der Feind nochmals, verteidigte auch den Eisenbahndamm, der Orleans umgibt, und wich erst mit Einbruch der Dunkelheit, so daß es 7 Uhrabends wurde, bis sich die deutschen Kolonnen auf dem Marktplatzvon Orleans begegneten. Die Stadt war in ihrer Hand, die franzö-