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6. Korps verlor in den wenigen Morgenstunden 28 Offiziere 413 Mann,die Franzosen büßten ein Mehrfaches davon ein. Wiederum beschränktensie sich auf emsige Verstärkung ihrer Verteidigungsarbeiten und auf täg-liche Kanonaden, die mehr Lärm als Schaden verursachten. Neue Ver-stärkungen rückten inzwischen zur Einschließungsarmee heran. Am 10. Ok-tober traf die 17. Division ein und am 16. die Gardelandwehr vonStraßburg , die St. Germain zum Schutz gegen Westen besetzte. Die da-durch veranlaßten ersten Bewegungen erregten die Aufmerksamkeit derFranzosen, und am 13. Oktober entschloß sich General Vinoy zu einemneuen Ausfall mit seinen besten Truppen, etwa 26 000 Mann und 30 Ge-schützen. Morgens um 9 Uhr brach er mit seinen Streitkräften gegen dieBayern in der Südfront vor. Bagneux wurde vom Fort Montrougeaus stark beschossen und dann genommen, seine Besatzung auf Fontenayzurückgeworfen. ClMllon hielt sich tapfer; durch Clamart drangen dieFranzosen gegen den hochgelegenen Moulin de la tour vor, ohne ihnnehmen zu können. Inzwischen sammelten sich die Bayern und gingenvon Sceaux und Fontenay umfassend gegen Bagneux vor und erobertenes wieder. Nachmittags 3 Uhr stand Vinoy von seinem Versuche ab, undseine Truppen kehrten in den Schutz der Festung zurück.
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In ganz Frankreich war mittlerweile eifrig gerüstet worden, überall ent-standen neue Truppen. Sie harrten des Befehls zum Abmarschieren nachden Sammelplätzen, wo sich größere Heeresteile bilden sollten. Schonwurden die Einschließungstruppen vor Paris von Westen und Südwestenher beunruhigt. Sie wiesen aber einstweilen die Ruhestörer mit leichterMühe zurück. Ernster sah es an der Loire aus. Bei Orleans hatte sichdas IS. französische Armeekorps, in der Stärke von 60000 Mann, in3 Divisionen geteilt, versammelt, aber auch bereits die Waldzone am nörd-lichen Stromufer besetzt. Bis Pithiviers hin wagten sich einzelne Abtei-lungen vor. Auf deutscher Seite beobachtete nur die 4. Kavalleriedivi-sion gegen die Loire und meldete was vorging. Im großen Hauptquartierzu Versailles mußte man sich sehr wider den eigenen Willen dazu ent-schließen, bedeutendere Kräfte nach Süden zu entsenden. Das dort hinterder Einschließuugslinie stehende 1. bayerische Korps wurde durch die 22. Di-vision und die 2. Kavalleriedivision verstärkt. Dies kleine Heer rückte unterdem Befehl des bayerischen Generals v. d. Tann gegen Orleans ab, einerrecht ungewissen Lage entgegen. In der Einschließungslinie vor Paris ersetzte die 17. Division die 22. (S. Skizze 52.)