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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VIII. Der Krieg von 1870/71

truppen bis zum Loiretflüßchen vor, während die 2. Kavalleriedivisiondarüber hinaus noch in die Sologne streifte, die 4. sich nördlich der Loire westwärts wendete. Das 15. französische Korps setzte den Rückzug nochbis hinter die Sauldre fort.

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Wohl wäre es erwünscht gewesen, diese erste, im freien Felde wiederauftretende französische Truppenmacht völlig unschädlich zu machen, unddas Vorgehen bis Tours auszudehnen, wo die französische Regierung derProvinzen ihren Sitz hatte. Aber General v. d. Tanns Streitkräfte warender Zahl nach, zumal an Infanterie, sehr schwach. Bei weiterer Verfol-gung seiner Vorteile hätten alle Entfernungen sich erheblich vergrößert unddie Zurücklassung sichernder Abteilungen nötig gemacht. Das hätte ihnnoch mehr geschwächt und mit unzureichenden Kräften an sein Ziel ge-langen lassen. Dies konnte zu einem bedenklichen Rückschläge führen, derunfehlbar in ganz Frankreich einen gewaltigen Eindruck zur Belebung desvon Tours aus leidenschaftlich geschürten Widerstandes gemacht hätte.Es war also klug, bei Orleans stehen zu bleiben und den Gegner zuüberwachen. Die 22. Infanterie- mit der 4. Kavalleriedivision wurdensogar nach Paris zurückgerufen. Sie sollten auf dem Marsche dahin beiClMeaudun und Chartres sich sammelnde Streitkräfte sprengen. Am18. trafen sie vor ClMeaudun ein. Französische Linientruppen, die dortgestanden hatten, waren bereits nach Blois abgerückt, aber 1800 National-garden und Freischärler verteidigten die Stadt hinter Mauern und Barri-kaden. Die Batterien nahmen sie zunächst gründlich unter Feuer; dannerfolgte mit Einbruch der Dunkelheit der Sturm. Im Inneren gab esnoch einen heftigen Straßenkampf, bei dem 1S0 Gefangene eingebrachtwurden. ClMeaudun ging zum Teil in Flammen auf.

Am 21. standen die beiden Divisionen vor Chartres . Angeblich solltendort 10 000 Bewaffnete ihrer harren. Marinetruppen und Mobilgardenkamen ihnen sogar zum Angriff entgegen, wurden jedoch schnell durchArtilleriefeuer zurückgewiesen. Auch die 6. Kavalleriedivision traf mittler-weile vor Chartres ein, und die Stadt wurde umstellt. Das an ClMeaudunvollzogene Strafgericht wirkte, die Tore wurden ohne weiteren Kampf ge-öffnet. General v. Wittich blieb nun mit seinen Truppen in der Stadtstehen; die 6. Kavalleriedivision ging nach Maintenon und streifte vondort gegen Westen.

Auch in anderen Gegenden regte sich der Widerstand mehr und mehr.Gegen Norden hatte nach und nach fast eine ganze Division zum Schutz