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der Einschließung von Paris verwendet werden müssen. Von Fontaine-bleau und Nangis her bedrohte der Feind die rückwärtigen Verbindungen.Eine württembergische Streifpartei mußte über Montereau bis auf Nogent-sur-Seine, der Stadt, von der aus Napoleon I. 1814 seinen berühmtenFebruarzug antrat, vorgehen. Sie fand dort, also im Rücken der deutschenHeere, starke Abteilungen von Mobilgarde vor. Trotz lebhaftem Feuerdrangen die Württemberger in die Stadt ein und überwältigten auch dieGegner im Inneren, fo daß diese, 600 Tote und Verwundete zurücklassend,abzogen und verschwanden. Das Streifkorps kehrte zur Armee vor Paris zurück, nachdem es in 6 Tagen über 200 km durchmessen hatte.
Inzwischen war am 15. Oktober die Festung Soissons nach nur vier-tägiger Belagerung durch die Truppen des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin gefallen und ihre Besatzung in die Gefangenschaft abgeführtworden. 128 Geschütze und 8000 Gewehre waren die Kriegsbeute, diedurch den geringen Verlust von 120 Mann erkauft wurde.
Von der Erhebung der Provinzen drangen Nachrichten natürlich nachParis , wo die öffentliche Meinung von großzügigen Unternehmungen dermittlerweile in ihrem inneren Gefüge fester gewordenen Verteidigungs-armee sprach. Ein bedeutenderer Ausfall gegen Westen wurde geplant. Ersollte nach Eroberung der von den Preußen besetzten Höhen von Argen-teuil die Richtung auf Pontoise nach Rouen nehmen, wo das Land nochreiche Mittel für Versorgung und Verstärkung darbot. Die Loirearmeewäre mit der Eisenbahn dorthin zu überführen und eine gut ausgerüsteteHeeresmasse von 250 000 zur Befreiung Frankreichs zu bilden gewesen.Übertriebene Hoffnungen wurden daran geknüpft. Der Angriff der Pariser Armee gegen Argenteuil war gleichzeitig von zwei Seiten her beabsichtigt,nämlich über die Seine hinweg und von St. Denis aus. Der Seine-übergang wurde bei Bezons und Carrieres geplant, er konnte aber nichteher geschehen, als bis man Herr der preußischen Stellungen von Bougival war, wo das 5. Armeekorps stand. General Ducrot übernahm es, diesHindernis zu beseitigen. Mit 10000 Mann ausgewählter Truppen und120 Geschützen, unterstützt durch die Artillerie des Mont Valerien, wollteer am 21. Oktober Bougival nehmen. Dann beabsichtigte er die großeHalbinsel von Gennevilliers , über welche der französische Vormarsch hin-wegführen mußte, durch eine befestigte Linie vom Valerien nach Carriereshinüber abzusperren. Der Kampf begann nachmittags um 1 Uhr, nach-dem der Valerien den ganzen Vormittag über lebhaft, aber ziemlich wir-kungslos gegen die preußischen Linien kanoniert hatte. Er führte zumAusfall von La Malmaison am 21. Oktober 1870.