Bazaines Absichten. Zustände in Mch
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abwartend, nur kleine Scharmützel bei den Vorposten unterbrachen dieherrschende Ruhe. Für die Verlängerung der Zeit des Ausharrens wurdenach Kräften gesorgt. Mit Einschluß der in die Stadt geflüchteten Land-leute waren in Metz 70000 Bewohner zu ernähren, aber für sie und dieBesatzung besaß man auf 3 Monate hinreichende Lebensmittel. Wenigerwar für die mit eingeschlossene Rheinarmee vorhanden. Ihre Vorrätereichten nur auf 40, für die Pferde sogar nur auf 2S Tage aus. Esmußte also nachgeholfen werden; Ankäufe und Beitreibungen in der wohl-habenden Umgegend trugen manches dazu bei. Bald wurden auch dieBrotportionen verkleinert und mit dem Schlachten von Pferden begonnen.Die Kavallerieregimenter setzten sich auf zwei Schwadronen, die bei dergeringeren Wichtigkeit, welche diese Waffe während der Einschließung besaß,hinreichend erschienen. So konnte auch die Armee noch für einen ansehn-lichen Zeitraum ausdauern. Am Ende der mehr als zweimonatlichenBelagerung waren ihre Vorräte auch tatsächlich noch nicht bis aufsletzte erschöpft. Bazaine hatte also im September einen stattlichen Spiel-raum vor sich, inzwischen konnte eine völlige Veränderung der Lage ein-treten, beispielsweise Paris fallen. Dann war der Frieden gesichert, under Herr der Situation. An sich ist die von ihm gehegte Spekulation alsonicht unverständlich; sie konnte zum Ziele führen. Alles gipfelte in derso schwer zu beantwortenden Frage, bezüglich welcher sich alle maßgeben-den Persönlichkeiten, wohl auch Moltke getäuscht hatten: „Wie lange kannParis sich halten?" Aber Bazaines Gedankengang war nicht rein solda-tisch, die politische Beimischung ist sogar sichtbar, und dies Gemisch führtmeist zu unentschiednem Handeln, zu halben Maßregeln und unrühmlichemUntergang. Das hat die geschichtliche Erfahrung oft und so auch hier be-wiesen.
In der Einschließungsarmee waren übrigens die Zustände recht schwierige.Sie lagerte zum Teil auf Schlachtfeldern mit ausgebrannten Dörfern undHöfen, auf denen vor kurzem 40 000 Tote und Verwundete nebst zahl-reichen Pferdekadavern gelegen hatten. Auf sehr heiße Tage, die denWassermangel ernstlich steigerten, folgte Regen. Menschen und Pferde-leichen hatten in dem harten Boden, der meist nicht viel Erde auf demsteinigen Untergrunde darbot, vielfach nur oberflächlich bedeckt und nichthinreichend tief begraben werden können. Ausdünstungen begannen, dieUmgebung zu verpesten, und drohten Krankheiten zu erzeugen. Das Un-terkommen war mangelhaft und bei weitem nicht geräumig genug, um dieArmee aufzunehmen. Die meisten Truppen lagerten im Freien. GegenEnde August und zu Anfang September setzte beharrliches Regenwetter