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VIII. Der Krieg von 1870/71
ein, spülte die Erde der Grabhügel fort, verwandelte den undurchlässigenBoden der Lagerplätze in Sümpfe und machte die Straßen unpassierbar.Der eingeschlossenen Armee gegenüber hatten die Sieger nur den Vorteilleichteren Ortswechsels. Aber auch sie litten stark, es kam vor, daß Trup-pen die Biwaknächte stehend im Wasser zubrachten. Der Krankenstandstieg bedenklich. Zeitweise lagen bis zu 40 000 Mann im Lazarett. Na-türlich ist auch, daß bei der Zusammendrängung der großen Massen undder Schnelligkeit des ganzen Vordringens der Deutschen der Nachschubaus der Heimat zeitweise versagte. Eine treffliche Intendantur der Armeeverstand es freilich der Schwierigkeiten bald Herr zu werden. Sie erwarbsich damit ein bedeutendes Verdienst um den glücklichen Ausgang. DerVersuch, die Dauer der Belagerung durch Beschießung aus Feldgeschützenund 50 herangeschafften Zwölfpfünderkanonen abzukürzen, mißlang hier wiein den meisten Fällen. Die Rheinarmee hat davon nur wenig gemerkt;der Raum, den sie einnahm, war viel zu groß, um durchschlagende Wir-kung der Geschosse eintreten zu lassen. Allzu ungleich war deshalb dieLage von Belagerern und Belagerten nicht; Bazaine konnte hoffen, sievielleicht mit Geduld zu überdauern. Erst am 22. und 23. Septembertrat wieder lebhafte Gefechtstätigkeit ein. Auf der Nord- und Nordost-seite von Metz fanden kleinere Ausfälle statt. Ihr Zweck war die Fort-führung von Vorräten und Nahrungsmitteln, von deren Vorhandenseinman in der Festung Kenntnis erhielt. Sie wurden leicht durch Artillerie-feuer zurückgewiesen.
Am 27. September folgte ein großes wohlvorbereitetes Unternehmenauf der Südostseite, zumal gegen Peltre und das Schloß von Mercy-les-Metz. Die Eisenbahn von Peltre nach Metz war von den Belagerern unter-brochen, die Stelle der Zerstörung aber durch die preußischen Vorpostennicht hinreichend bewacht worden. Dies nahmen die Franzosen wahr, be-seitigten das Hindernis und stellten die Bahn wieder fahrbar her, griffensodann vom Fort Queuleu aus in der Front an, während gleichzeitig einEisenbahnzug mit Truppen ungestört nach Peltre hineinfuhr. Die über-raschte Besatzung verlor einen Offizier und 153 Soldaten. Schloß Mercyging in Flammen auf. Die Franzosen zeigten sich in diesem Gefecht alsMeister des kleinen Krieges. Von lange her vorbereitete und sorgfältiggeplante Unternehmungen waren mehr das ihnen Zusagende als die großeSchlacht des Bewegungskrieges. Leichte schnelle Erfolge schwacher Kräftewaren das Erbteil, welches die französische Armee aus ihrem Feldlebenin Afrika und Mexiko mitgebracht hatte.
Trotz solcher kleinen Teilerfolge gestaltete sich der Zustand der einge-