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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Die Armee vor Metz . Vortreffliche Armeeverwaltung

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schlossenen Armee dennoch von Tag zu Tag ungünstiger. Die Pferde-heerden, die man zwischen den Forts weiden sah, schmolzen zusehends zu-sammen. Bald daran war nicht mehr zu zweifeln würden dieTruppen nicht mehr operationsfähig sein. Ein Durchbruch konnte nurnoch mit nahen Zielen geplant werden. Nach dem Falle von Straßburg bot sich nur ein solches noch dar, nämlich die Festung Thionville , heuteDiedenhofen, 30 IM nördlich von Metz . Sie war bisher nur von schwachenKräften beobachtet worden, die Besatzung durchstreifte das Land bis zurnahen Grenze, griff einzelne Gefangene auf, erbeutete gelegentlich 50 Pro-viantwagen und stellte auch flüchtig die zerstörte Eisenbahn wieder her.So kam eines Tages sogar ein voller Verpflegungszug von Luxemburgher ungestört in die Festung hinein. In Metz waren diese Zuständesicherlich bekannt. Ein Durchbruch ließ sich darum nicht mehr gegenSüdwesten, sondern nach Norden, im Moseltale entlang, denken. PrinzFriedrich Karl verstärkte zu Anfang Oktober die Truppen, die sich demUnternehmen dort in den Weg stellen konnten. Hierbei wurde voraus-gesetzt, daß Bazaine die schon zweimal von ihm eingeschlagene Richtungauch zum drittenmal verfolgen würde, nämlich auf den Höhen am rechtenTalrande. Man glaubte nicht daran, daß er der Talsohle an der Mosel den Vorzug geben würde, weil diese von den hohen Ufern aus auf beidenSeiten unter Feuer genommen werden konnte. Es tauschte aus diesemGrunde das im Moseltal stehende 10. Armeekorps mit der auf der Höhedes östlichen Talrandes bei Malroy und Charly stehenden 3. Reservedivi-sion, die durch den anstrengenden Dienst in ihrem Mannschaftsbestandeschon erheblich zusammengeschmolzen war. Wider Erwarten aber schlugBazaine gerade den Weg in der Tiefe ein.

Das Gefecht von Bellevue am 7. Oktober ^370

Bazaine hatte sich, wie sein Gegner vorausgesehen, entschlossen, nachNorden durchzubrechen, und zwar auf beiden Flußufern. Durch kleineUnternehmungen waren die deutschen Vorposten vor dem Aufmarschgeländeetwas zurückgedrängt. Über die Mosel bei St. Julien und von der InselChambiere aus wurden neue Brücken geschlagen, die Truppen, die in Metz zurückbleiben sollten, ausdrücklich bezeichnet, und die übrigen auf ihreMarschfähigkeit untersucht. Mit Thionville hatte man sich verständigt, am7. Oktober sollte der Aufbruch vor sich gehen. Aber Plötzlich änderte derMarschall seinen Sinn, und aus dem Durchbruch wurde ein vereinzeltesUnternehmen, zu dem sich vorwiegend gute Kräfte in Bewegung setzten,nämlich die Gardevoltigeurdivision und das 6. Korps im Moseltale, das